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Frankreich:Macron schließt die Schulen

Frankreich ist stolz, auch während der Pandemie auf Bildung zu setzen, doch nun zieht der Präsident die Notbremse. Wissenschaftler werfen ihm unterdessen vor, zu spät reagiert zu haben.

Von Nadia Pantel, Paris

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, schließt Frankreich von Montag an für drei Wochen seine Schulen. Zwei dieser drei Wochen bestehen aus den Frühjahrsferien, vom 26. April an sollen die Schulen dann wieder schrittweise öffnen. Dies teilte Präsident Emmanuel Macron am Mittwochabend in einer Fernsehansprache mit. Macron betonte dabei, dass Frankreich "eines der wenigen Länder" sei, das seit Mai 2020 darauf verzichtete, Schulen wegen der Pandemie zu schließen.

Das Land habe eine "Verpflichtung gegenüber der Jugend", niemand könne wissen "was die langfristigen Folgen andauernder Schulschließungen" sein werden. "Das Virus zirkuliert in den Schulen, aber es zirkuliert dort nicht stärker als anderswo", sagte Macron. Das "ohne Zweifel effizienteste Mittel", um Ansteckungen zu verhindern, sei das Arbeiten im Home-Office. Frankreich und Europa erlebten durch die ansteckenderen Virus-Varianten eine "Pandemie innerhalb der Pandemie", so Macron. Dies führe dazu, dass die Maßnahmen verschärft werden müssten.

Vom Wochenende an werden landesweit Regeln gelten, mit denen aktuell bereits ein Drittel der Bevölkerung, darunter in der Hauptstadt Paris, lebt: Tagsüber darf der Einzelne sich nicht weiter als zehn Kilometer von seinem Wohnort entfernen, nichtessenzielle Geschäfte sind geschlossen. Seit Januar gilt zudem im ganzen Land eine Ausgangssperre, sie begann zunächst um 18 Uhr und wurde mit Beginn der Sommerzeit auf 19 Uhr verlegt. Aktuell infizieren sich in Frankreich im Wochenschnitt pro 100 000 Einwohner täglich 375 Menschen mit dem Coronavirus. Die Krankenhäuser sind zu 100 Prozent ausgelastet, in der Region um Paris zu 130 Prozent. 80 Prozent der längerfristig geplanten Operationen und Eingriffe werden abgesagt.

Wissenschaftler werfen Macron Fehler vor

Notfallmediziner warnten am Wochenende davor, dass bald mit der Triage der Patienten begonnen werden müsse. Wissenschaftler werfen Macron vor, einen Fehler gemacht zu haben, als er Ende Januar zu Beginn der dritten Infektionswelle in Frankreich auf einen Lockdown verzichtete. Macron hatte in den vergangenen Tagen wiederholt betont, dass er zu seiner Entscheidung vom Januar stehe. Er verglich die Situation in Frankreich mit der in Deutschland und Italien, wo bereits jeweils schon länger ein erneuter Lockdown verhängt worden sei. Frankreich habe anders als seine Nachbarländer "wertvolle Tage der Freiheit gewonnen" und "Wochen des Lernens für unsere Kinder" ermöglicht.

Durch die Verfügbarkeit der Impfstoffe lasse sich ein Ende der Krise absehen, so Macron. Um seine Botschaft zu unterstreichen, wurde nach Ende seiner Rede auf dem präsidialen Twitterkonto Macrons Strategie noch einmal zusammengefasst: "Impfen, impfen, impfen". Dies solle "ohne Atempause", an Sonn- wie Feiertagen geschehen. Bislang verlangsamt sich Frankreichs Impfkampagne mit jedem Wochenende. Zwölf Prozent der französischen Bevölkerung wurden bislang gegen Covid-19 geimpft.

© SZ/mob/jael
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