Machnig-Rücktritt Raus aus der Sackgasse

Eine Finanzaffäre brachte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig in Bedrängnis, jetzt soll er den Europawahlkampf der SPD leiten. Es ist ein Freundschaftsdienst unter Sozis - im besten Fall zu gegenseitigem Nutzen.

Ein Kommentar von Nico Fried, Berlin

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Für niemanden gilt das dieser Tage so sehr wie für Martin Schulz, den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten zur Europawahl. Schulz möchte mit einem Erfolg im Mai 2014 seinen Anspruch auf das Amt des Kommissionspräsidenten untermauern.

Für Matthias Machnig, den SPD-Wirtschaftsminister in Thüringen, waren die Aussichten dagegen wenig verheißungsvoll. Seine Gehaltsaffäre ist juristisch noch umstritten, aber politisch so klebrig wie ein Kaugummi unterm Schuh: Kabinettsposten in Berlin futsch, Spitzenkandidatur in Erfurt auch.

Jetzt soll Machnig den Wahlkampf für Schulz leiten. Das ist ein Freundschaftsdienst unter Sozis, im besten Fall zu gegenseitigem Nutzen. Schulz braucht für die europaweite Kampagne einen erfahrenen Kopf, Machnig einen Ausweg aus der politischen Sackgasse.

Der letzte Sieg der SPD, an dem Machnig Anteil hatte, war Gerhard Schröders Wiederwahl vor sage und schreibe elf Jahren. Richtig ist aber auch: Ohne Machnig hat die SPD bei drei Bundestagswahlen nicht mehr gewonnen. Und 25,7 Prozent wie im September hätte er als Wahlkampfleiter womöglich sogar mit verbundenen Augen hingekriegt.

Zudem ist Machnig in der politischen Kulisse besser aufgehoben als in der vorderen Reihe. Denn dass er auch als Minister nie aufgehört hat, Wahlkämpfer zu sein, hat die Zahl seiner Unterstützer in der Not nicht gemehrt.