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Linke-Fraktion vor Führungswechsel:Traumpaar mit Hochrisikofaktor

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sitzen auf dem Bundesparteitag der Linken in Bielefeld nebeneinander.

(Foto: Oliver Berg/dpa)
  • Noch ist es nicht offiziell, aber Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht werden wohl die Nachfolge von Gregor Gysi antreten und in Zukunft die Linke-Fraktion im Bundestag führen.
  • Die beiden gelten für Linke und Reformer als Traumbesetzung.
  • Doch Wagenknecht ist ein Hochrisikofaktor. Ihre kompromisslosen Positionen könnten der Partei den Weg zu einer rot-rot-grünen Regierung im Bund versperren, Bartsch gilt hingegen eher als pragmatisch.

Ohne Wagenknecht gäbe es keinen Bartsch

Von Herbst an also Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch. Die Linke und der Reformer. Noch ist es nicht offiziell. Aber Bartsch und Wagenknecht sollen sich am Dienstag gegenüber den Parteichefs der Linken, Katja Kipping und Bernd Riexinger, erklärt haben. Ja, sie stehen bereit, den Fraktionsvorsitz von Gregor Gysi zu übernehmen. So genau will das zwar keiner bestätigen. Aber auch keiner dementieren. Unwahrscheinlich ist aber, dass Wagenknecht und Bartsch bei Riexinger und Kipping vorsprechen, um gemeinsam zu erklären, dass sie es nicht machen.

Der Fairness halber soll diese Woche wohl auch noch ein Gespräch mit dem Notfall-Pärchen geführt werden: Martina Renner und Jan van Aken. Die waren ins Gespräch gebracht worden, sollte Wagenknecht doch nicht antreten wollen. Damit wären dann wegen der komplizierten Fraktionsarithmetik auch Bartschs Karriereträume geplatzt.

Der Plan dahinter ist schon einige Zeit älter. Gysi wollte ohnehin im Herbst aufhören. Bartsch und Wagenknecht standen als natürliche Nachfolger bereit. Sie vereinen in einer von der Partei ohnehin geforderten Doppelspitze alle wichtigen Quotierungen. Bartsch: Mann, Reformer, aus dem Osten. Wagenknecht: Frau, hart links, seit einigen Jahren im West-Landesverband Nordrhein-Westfalen verankert.

Gysi erklärt unter Tränen seinen Rückzug

Im März aber machte Wagenknecht plötzlich alle Pläne zunichte. Sie hatte gerade in der Fraktion eine empfindliche Abstimmungsniederlage hinnehmen müssen. Es ging um die Verlängerung eines Griechenland-Rettungspaketes. Wagenknecht warb dafür, sich bestenfalls zu enthalten. Die Fraktionsmehrheit entschied sich, dem Paket zuzustimmen. Auch aus Respekt vor der frisch gewählten Syriza-Regierung in Athen. Wagenknecht war stinksauer. Dass sie in absehbarer Zeit für den Fraktionsvorsitz kandidieren würde, schloss sie danach kategorisch aus.

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Nach dem Rückzug von Gysi sollen Wagenknecht und Bartsch Die Linke-Fraktion führen. Während Bartsch die Fraktion zusammenhalten soll, könnte Wagenknecht versuchen, mit ihrem Einfluss eine rot-rot-grüne Koalition im Bund herbeizuführen - doch sie bleibt unberechenbar.   Diskutieren Sie mit uns.

Gysi geriet unter Druck, noch zwei Jahre dranzuhängen. Er wollte nicht. Auf dem Parteitag der Linken am Wochenende in Bielefeld erklärte er unter Tränen seinen Rückzug. Wagenknecht hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Von allen Seiten wurde sie bekniet, es sich noch einmal zu überlegen. Das hat sie jetzt offenbar getan.

Das Duo Wagenknecht/Bartsch gilt vielen in der Partei als Traumbesetzung. Gerade Wagenknecht ist nach Gysi das Zugpferd der Linken. Kein anderes Fraktionsmitglied - von Gysi abgesehen - redet pointierter und bringt seine Inhalte so konsequent auf den Punkt. Sie füllt Säle, ist das weibliche Gesicht der Linken in sämtlichen Talkshows. Eine Mobilisierungsmaschine, die ziemlich nahe an die Fähigkeiten ihres Ehemannes Oskar Lafontaine heranreicht.