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Landtagswahl in Niedersachsen:"Die Agrarwende ist alternativlos"

Meyer ruht in sich. Er ist ein großer, blasser Mann mit weichem Händedruck und sehr stabilem Selbstbewusstsein. In Halbschuhen und Jackett stapft er durch den Wald. Im morastigen Gelände zwischen den Bäumen wirkt er wie ein Fremdkörper - und doch auch irgendwie am richtigen Ort, so begeistert wie er sich der Natur zuwendet. Er redet schnell, er lächelt viel. Man ahnt, wie sehr er, der diplomierte Sozialwirt aus Holzminden, den praktizierenden Großbauern auf die Nerven geht als Mensch von der Uni, der sie nicht nur mit Besserwisserei quält, sondern auch mit einer Moral, die ihr Geschäft infrage stellt.

Agrarpolitik ist für Meyer nicht nur Dienst am Bauern, sondern auch am Verbraucher und an der ländlichen Lebenskultur von morgen. So sehr ihn viele konservative Landwirte verachten, so sehr setzen Menschen mit Bio-Bewusstsein Hoffnung in ihn. Seit Meyer im Amt ist, wächst nicht mehr die Massentierhaltung, sondern der Ökolandbau. Den Tierschutzplan, den schon Meyers CDU-Vorgänger Gert Lindemann aufgelegt hatte, hat er weitergeführt. "Wir haben den Einsatz von Antibiotika durch neue Behörden und Kontrollen halbiert. Wir haben den Düngeüberschuss halbiert." Meyer hatte ein Versprechen einzulösen: "Wir sind gewählt worden mit dem Thema ,andere Agrarpolitik'." 13,7 Prozent Stimmenanteil hatten die Grünen bei den Landtagswahlen 2013. Das verpflichtet.

In Niedersachsen stehen die alten Fronten noch

Meyer kann mehr als grüne Kampfrhetorik, das räumt selbst Schulte to Brinke ein. Aber der Minister legt es auch nicht darauf an, die Gemüter zu schonen, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten. "Wenn ich Massentierhaltung meine, sage ich Massentierhaltung." Er weiß schon: Es war ungewohnt für die Bauern, erstmals einen grünen Agrarminister vor sich zu haben, "ein Kulturwandel". Aber er findet, dass neues Vertrauen entstanden ist. Und das Höfesterben? Sieht Meyer als bundesweites Problem, das vor allem Milchbauern wegen der schlechten Preise betreffe und viel mit der Politik des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) zu tun habe.

Die Abneigung der CDU gegen Meyer beruht auf Gegenseitigkeit. Er findet sie in Niedersachsen "total rückwärtsgewandt": "Sie hat Leute, die wollen zurück zum alten Massentierhaltungs-Hätscheln." Eine Koalition? Mit denen? Nicht vorstellbar. Er will auch nicht Bundesagrarminister in einer Berliner Jamaika-Koalition werden. Er macht Wahlkampf für Rot-Grün. Oder für Rot-Rot-Grün. Hauptsache, er kann auf Kurs bleiben. "Die Agrarwende ist alternativlos", sagt Meyer, "sie muss fortgesetzt werden."

In Niedersachsen stehen die alten Fronten noch. Grün ist grün, schwarz ist schwarz. Und Christian Meyer hat nicht vor, irgendetwas aufzugeben. Die Landtagswahl entscheidet für ihn über die Zukunft der Landwirtschaft: "Das ist das letzte Aufbäumen der Agrarlobby." Er will gewinnen, und er weiß, dass das mit matten Grün-Tönen nicht zu schaffen ist.

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