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Munitionsaffäre:"Wenn man da was abzwacken will, wäre das kein Problem"

Beim Leipziger Gerichtsverfahren gegen einen KSK-Soldaten geht es auch um die massenhaft verschwundene Munition beim Kommando Spezialkräfte. Zeugen berichten über Lücken bei der Kontrolle des bei Übungen benutzten Sprengstoffs.

Von Joachim Käppner, Leipzig

Auch das Leipziger Verfahren gegen einen KSK-Soldaten, der in seinem Garten Waffen und Sprengstoff vergraben hatte, hat am Mittwoch kein Licht in das Rätsel um massenhaft verschwundene Munition beim Kommando Spezialkräfte (KSK) gebracht. Soldaten des KSK hatten 2020 mehr als 50 000 Munitionsartikel abgegeben, die sie zuvor gehortet hatten. Es gebe keine Erkenntnisse, woher diese stammten, sagte am Freitag ein Oberstleutnant des KSK vor dem Landgericht Leipzig. Als die mit einer Amnestie verbundene Rückgabeaktion vergangene Woche bekannt wurde, wurde die Kritik am KSK, das wegen Fällen von Rechtsextremismus in die Krise geraten ist, deutlich schärfer.

In Leipzig muss sich der KSK-Soldat Phillip S. wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verantworten. Auf seinem Grundstück in Nordsachsen hatte die Polizei im vergangenen Mai unter anderem zwei Kilogramm professionellen Sprengstoff, ein Kalaschnikow-Sturmgewehr und mehrere Tausend Stück Gewehr- und Pistolenmunition entdeckt.

Dem Oberstleutnant zufolge, der seit 2019 für die Munitionsbewirtschaftung beim KSK zuständig ist, waren die abgegebenen Patronen zuvor beim KSK nicht als Differenz aufgetaucht und somit auch nicht vermisst worden. Ein großer Anteil der Munition sei alt gewesen, womöglich zu alt für das im Jahr 2010 eingeführte Bilanzsystem.

Am Mittwoch wurden durch Zeugen aus dem KSK Lücken bei der Kontrolle des dort für Übungen benutzten Sprengstoffs deutlich. Ein Soldat wies daraufhin, dass es theoretisch möglich sei, bei den Übungen unbemerkt weniger Sprengstoff zu verwenden als vorgesehen: Dies bekomme "niemand mit, wenn man nur 2,5 Kilo versprengt statt drei".

In der verlesenen Zeugenaussage eines KSK-Offiziers klang das noch deutlicher durch. Der Mann hatte bei der Polizei ausgesagt: "Beim KSK verschießt man in einer Nacht mehr Munition, als die Polizei in einem Jahr. Wenn man da was abzwacken will, wäre das kein Problem." Es sei oft nicht überprüft worden, wie viele Patronen der einzelne Soldat verschossen habe. Letztlich müsse man den Kameraden vertrauen.

© SZ/edel
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