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Bundeswehr:Rechtsextreme Umtriebe im KSK

´Bild": Elite-Einheit KSK war in Kundus beteiligt

Ein Angehöriger der Bundeswehr-Elite-Einheit KSK trainiert für den Ernstfall (Archivbild).

(Foto: Uli Deck/dpa)

Ein Soldat muss den Dienst verlassen, nachdem bei ihm illegale Waffen und NS-Devotionalien  gefunden wurden. Es ist nicht der erste Fall dieser Art bei der Elitetruppe.

Durch Ermittlungen des Bundeswehr-Geheimdienstes Militärischer Abschirmdienst (MAD) wird immer mehr über rechtsextreme Umtriebe im Kommando Spezialkräfte (KSK) bekannt. Auf dem sächsischen Privatgrundstück eines 45-jährigen Oberstabsfeldwebels der Elitetruppe, Philipp Sch., sind inzwischen zahlreiche unerlaubte Sprengmittel und Waffen geborgen worden, darunter sind - wie jetzt bekannt wurde - zehn sogenannte Shocktubes, zwei Kilogramm des Sprengstoffs PETN, drei Stück Sprengfolie, eine Sprengschnur, neun sogenannte Irritationskörper, ein Maschinengewehr vom Typ Kalaschnikow sowie eine Armbrust. Der Soldat, der im April 2017 auf einer internen Feier den Hitlergruß gezeigt haben soll, war nicht 2017, sondern erst vor zwei Wochen aus dem aktiven Dienst entfernt und mit einem Uniformverbot belegt worden.

Erst bei der Durchsuchung seines Grundstücks soll sich nun auch gezeigt haben, dass er zahlreiche NS-Devotionalien besaß. Aktuell sei er nur "einer von rund 20 Verdachtspersonen im KSK", resümiert ein vertraulicher Bericht des Verteidigungsministeriums vom Dienstag, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Wegen der "auffallend hohen Zahl von Verdachtsfällen" bilde das KSK einen "Arbeitsschwerpunkt" des MAD. Allein seit Ende 2019 habe das Verteidigungsministerium bereits vier Angehörige der Elitetruppe im Hinblick auf rechtsextremistische Tendenzen entlassen, drei aus dem KSK versetzt und drei vom Dienst suspendiert.

Der Kommandeur des KSK, Markus Kreitmayr, der die Eliteeinheit seit Juni 2018 führt, schrieb am 18. Mai an seine Soldaten: "Ich meine nicht zu übertreiben mit der Feststellung, dass unser Verband derzeit die schwierigste Phase seiner Geschichte erlebt. Inmitten unserer Gemeinschaft befanden und befinden sich offensichtlich noch immer Individuen, die dem sogenannten rechten Spektrum zuzuordnen sind", so der Brigadegeneral. "Ob durch ihre fehlende Verfassungstreue, ihre Nähe zur Bewegung der Reichsbürger oder ihre rechtsextremistische Gesinnung und Unterstützung rechtsextremistischer Ideologien, sie alle haben dem Ansehen des Kommandos Spezialkräfte und der Bundeswehr als Ganzes, aber auch jeder und jedem Einzelnen von uns ganz persönlich, massiven Schaden zugefügt."

Der MAD mit seinen etwa 1200 Mitarbeitern ist jüngst durch einen neuen, zivilen Vizepräsidenten verstärkt worden, Burkhard Even, der 400 neue Mitarbeiter ohne Militärhintergrund mitbringen soll, auch um die kritische Distanz zur Truppe zu schärfen.

© SZ vom 27.05.2020
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