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Krise in Ägypten: Vizepräsident Omar Suleiman:Ein Agent für alle Fälle

Omar Suleiman rettete Ägyptens Präsident Mubarak einst das Leben und verhandelte geduldig mit Israelis und Palästinensern. Nun ist der frühere Geheimdienstchef der mächtigste Mann des Landes - und vermittelt zwischen Regime und Opposition.

Offiziell ist Omar Suleiman nur die Nummer zwei in Ägypten, doch an seiner wahren Position bestehen keine Zweifel: Laut New York Times weisen US-Diplomaten Suleiman eine Schlüsselrolle im Machtpoker am Nil zu und der Guardian nennt den Vizepräsidenten "den mächtigsten Mann des Landes".

Israeli Officials Meets With Egypt's Intelligence Chief

Er ist momentan der mächtigste Mann Ägyptens: Vizepräsident Omar Suleiman, der zuvor jahrelang für die Geheimdienste zuständig war.

(Foto: Getty Images)

Der 74-Jährige tut momentan zwei Dinge, die er besonders gut kann. Er versucht, Noch-Präsident Hosni Mubarak zu helfen und er vermittelt in einer verzwickten Lage zwischen vielen Akteuren mit widerstreitenden Interessen. In beiden Feldern hat Suleiman Erfahrung, denn er diente dem Alleinherrscher seit 1993 als Chef aller Geheimdienste und hat ihm mindestens ein Mal das Leben gerettet.

Am 26. Juni 1996 bestand Suleiman darauf, dass der Präsident für die Fahrt vom Flugplatz der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in die Stadt eine eigens mitgebrachte gepanzerte Limousine benutzte - nur deswegen überlebte Mubarak einen Anschlag der Terrorgruppe Gamaat al-Islamyya.

Trauzeuge des Mubarak-Sohnes

Seither gelten der 82-jährige Mubarak und der acht Jahre jüngere Suleiman als unzertrennlich: Sie sehen sich üblicherweise zwei Mal am Tag und Mubaraks "Auge und Ohr" ist sogar bei dessen Arztkonsultationen dabei, was angesichts des fragilen Gesundheitszustands des Pharao als enormer Vertrauensbeweis gelten kann. Zudem war Suleiman Trauzeuge bei der Hochzeit von Gamal Mubarak, den sein Vater zum Nachfolger auserkoren hatte.

Der in Oberägypten geborene Suleiman war als 19-Jähriger zum Militär gegangen und wurde zunächst in Moskau an der Frunse-Militärakademie ausgebildet - auch Mubarak verbrachte einige Jahre in der Sowjetunion. In den achtziger Jahren erhielt Suleiman eine Ausbildung an der elitären John F. Kennedy Special Warfare School der US-Armee in Fort Bragg. Er ist verheiratet, hat drei Töchter und gilt als gläubiger Muslim.

Die Neue Zürcher Zeitung umschrieb die herausragende Rolle des studierten Politologen im November 2010 mit dem Bild, Suleiman ziehe im Präsidentenpalast "nicht nur politische Fäden, sondern Seile". Besonders geschätzt war dessen Fähigkeit, für Stabilität und Ausgleich im Nahen Osten zu sorgen. Immer wieder vermittelte er zwischen der islamistischen Hamas und der Fatah von Palästinenserpräsident Machmud Abbas, zudem war er in Tel Aviv und Washington ein ebenso geachteter und respektierter Gesprächspartner wie in der syrischen Hauptstadt Damaskus.

Den Spitznamen "Agent für alle Fälle", dem ihm etwa die Frankfurter Rundschau verpasste, verdiente sich Suleiman auch dadurch, dass er auch für Saudi-Arabien, Iran, den Libanon und das riesige Nachbarland Sudan zuständig ist - "alle neuralgischen Punkte im Umfeld Ägyptens fallen in seine Kompetenz", bilanziert die Süddeutsche Zeitung.

Insofern war es kaum verwunderlich, dass Mubarak in einem ersten Schritt des Zugeständnisses ausgerechnet Suleiman zum Vizepräsidenten ernannte und damit einen jahrzehntelange verwaisten Posten besetzte. Die Geheimdienste kennt Suleiman bestens und laut New York Times besitzt er den stärksten Rückhalt im Militär und hat zugleich beste Kontakte zur Polizei, die in der Bevölkerung verhasst ist. Der Guardian nennt Suleiman den Kopf einer Junta von Offizieren, die den verdienten Luftwaffengeneral Mubarak nur noch als Aushängeschild benutzten.

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