Krieg in Libyen:Region als "Pulverfass"

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Angesichts der Flucht der Gaddafi-Getreuen in das südliche Nachbarland hatte der libysche Übergangsrat angekündigt, eine Delegation nach Niger zu entsenden, um über strengere Grenzkontrollen zu verhandeln. Spekulationen arabischer Medien zufolge könnte Gaddafi versuchen, über Niger Burkina Faso zu erreichen. Meldungen, wonach dem Despoten dort Unterschlupf angeboten worden sei, wurden laut BBC aber von der Regierung des westafrikanischen Landes zurückgewiesen.

Gaddafi selbst gleicht immer mehr einem Phantom. Die Meldungslage zu seinem Aufenthaltsort bleibt unklar. Am Mittwoch hatte ein Rebellensprecher dem Sender Libya TV gesagt, Kämpfer hätten ihn eingekreist. Gaddafi könne nicht mehr fliehen. Genaue Angaben machte er aber nicht. Al-Dschasira berichtete unter Berufung auf den Militärrat in Tripolis, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Despot gefangen genommen oder getötet werde. Dagegen sagte ein Sprecher des Übergangsrates in Bengasi der Nachrichtenagentur dpa, alle Berichte über ein mögliches Versteck Gaddafis seien Spekulation. "Wir wissen es nicht. Es sind alles nur Theorien", sagte er.

Unterdessen mehren sich die Sorgen um eine weitere Destabilisierung der Region. Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU), der Gabuner Jean Ping, warnte vor den Gefahren libyscher Waffen für die Nachbarländer. Auch Bazoum erkennt in den Folgen des libyschen Konflikts eine große Bedrohung für die Sahelzone. Die Region sei zu einem "Pulverfass" geworden. Die Menge an Waffen in der ohnehin instabilen Region, die mit Drogenschmuggel und Terrorismus zu kämpfen hat, habe weiter zugenommen. Neben zahlreichen Handfeuerwaffen seien im Juni auch 500 Kilogramm des Sprengstoffs Semtex sichergestellt worden, sagte der nigrische Chefdiplomat.

Der Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, John Brennan, äußerte sich ebenfalls besorgt über die Sicherung von Waffen und anderem Militärmaterial in Libyen. Der Verbleib von Massenvernichtungswaffen ebenso wie von tragbaren Raketen bereite Sorgen, sagte Brennan. Der US-Botschafter in Tripolis, Gene Cretz, warnte zudem, Gaddafi und seine Söhne blieben eine Gefahr für die Stabilität Libyens, solange sie in Freiheit seien. Für die Bemühungen des Nationalen Übergangsrats, eine Regierung auf die Beine zu stellen, sei das gefährlich, sagte Cretz. Gaddafi müsse vor Gericht gestellt werden.

AU-Kommissionspräsident Ping rief den Übergangsrat zudem auf, sich von Angriffen auf Schwarze zu distanzieren, die unter dem Vorwand verübt würden, dass es sich um Söldner Gaddafis handele. "Es gibt Söldner in Libyen, viele davon sind schwarz, aber nicht alle sind schwarz und nicht alle Schwarzen sind Söldner. Manchmal, wenn sie weiß sind, nennt man sie auch technische Berater", sagte Ping. "Wenn Schwarzen die Kehle durchgeschnitten wird, machen wir dafür nicht den Übergangsrat verantwortlich, aber wir wollen, dass sich der Übergangsrat von den Taten distanziert." Aus nigrischen Regierungskreisen verlautete derweil, ihre Botschaft in Tripolis sei von Unbekannten "verwüstet" worden.

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