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Krawalle in Großbritannien:Kritik, Streit und der ungeklärte Tod von Mark Duggan

In der Debatte über die Ausschreitungen ist gleichzeitig ein offener Streit zwischen Scotland Yard und der Cameron-Regierung ausgebrochen. Der amtierende Londoner Polizeichef Tim Godwin wehrte sich am Freitag gegen Vorwürfe Camerons, zu Beginn der Krawalle in den Nächten zu Sonntag und Montag seien "bei weitem zu wenig" Polizisten im Einsatz gewesen.

Britain's Prime Minister David Cameron leaves 10 Downing Street in London

Großbritanniens Ministerpräsident David Cameron fährt eine harte Linie gegen Randalierer und Plünderer.

(Foto: Reuters)

Polizeichef Godwin sagte mit Blick auf Cameron und Innenministerin May, die Kritik komme von Leuten, die zum fraglichen Zeitpunkt "nicht da" gewesen seien. Cameron und May machten bei Ausbruch der Ausschreitungen Urlaub. Cameron und mehrere Parlamentarier seiner konservativen Tories hatten die Polizeitaktik infrage gestellt und ein härteres Durchgreifen mit Gummigeschossen und Wasserwerfern gegen die Randalierer als Option zur Diskussion gestellt.

Kritik von Menschenrechtlern

Gleichzeitig hat das harte Vorgehen der konservativen Regierung nun auch zur Kritik von Menschenrechtlern geführt. Es sei verständlich, dass die jüngsten Ereignisse zu Forderungen nach härteren Maßnahmen geführt hätten, sagte Isabelle Sankey von der Menschenrechtsgruppe Liberty. Gleichwohl könnten reflexartige Aktionen "mehr Probleme verursachen, als sie lösen".

Besonders kontrovers wird eine Äußerung von Premierminister David Cameron diskutiert, wonach die Regierung, Geheimdienste und die Kommunikationsindustrie beraten sollten, ob es bei Unruhen nötig sein könnte, den Gebrauch von Mobilfunk- und Nachrichtenübermittlungsdiensten sowie die Kommunikation über soziale Netzwerke im Internet zu unterbrechen. "Cameron sollte nicht erlauben, dass der berechtigte Zorn angesichts der jüngsten Randale und Plünderungen im Vereinigten Königreich für einen Angriff auf die freie Meinungsäußerung und den freien Zugang zu Informationen genutzt wird", sagte Padraig Reidy von der Bürgerrechtsgruppe Index on Censorship.

Seit vergangenen Samstag war bei zahlreichen Brandstiftungen und Plünderungen ein Sachschaden von vorläufig geschätzten 200 Millionen Pfund (etwa 230 Millionen Euro) entstanden. Die Regierung will die betroffenen Kommunen und Ladenbesitzer mit Millionen-Hilfen unterstützen.

Warum Duggan starb, ist bisher ungeklärt

Die Polizei bat die Öffentlichkeit mit noch nicht dagewesenen Methoden um Mithilfe. In Birmingham etwa kam ein Großbildschirm zum Einsatz, auf dem Überwachungskamera-Bilder von Verdächtigen gezeigt wurden.

Die Polizei gab zudem zu, dass ihr in der Anfangsphase der Krawalle ein Fehler unterlaufen sein könnte: So habe man die Medien unabsichtlich in dem falschen Glauben gelassen, der von der Polizei erschossene Mark Duggan habe zuvor auf die Beamten gefeuert. Der Tod Duggans hatte die Krawalle mit ausgelöst, denn sie entwickelten sich aus einem Protestmarsch gegen dessen Tötung. Wie genau und warum er starb, ist bislang nicht geklärt.