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AKK in Vorpommern:Wut und Leidenschaft in der Tennishalle

  • Wer erwartet hat, Annegret Kramp-Karrenbauer würde sich nach den tagelangen Debatten etwas zerknirscht zeigen, wird in Demmin enttäuscht.
  • Bei ihrem ersten Auftritt als CDU-Chefin zum politischen Aschermittwoch erntet sie viel Applaus.
  • Mit Verve, mit Leidenschaft, auch mit Zorn hat die Parteivorsitzende überrascht.

Demmin, der Aschermittwoch und Angela Merkel - das ist schon ein ganz besonderes Trio gewesen. Jahrelang musste die Kanzlerin hier in die Bütt; Jahr für Jahr fragten sich die Leute, ob Merkel hier irgendwann doch noch einen raushauen würde. Und am Ende sind sie stets mit einem "Na gut, so ist sie eben" nach Hause gefahren. Und heute? Durfte die Kanzlerin zum ersten Mal heimlich die Füße hochlegen. Demmin und politischer Aschermittwoch - für Merkel ist das Geschichte geworden.

Für Annegret Kramp-Karrenbauer dagegen hat dieses Demmin ganz neu begonnen. Zum ersten Mal ist die Saarländerin hierhergekommen, um für Stimmung zu sorgen. Das hat die neue CDU-Chefin zwar nicht selbst so entschieden; die Kanzlerin hat ihr diesen Termin quasi vor die Füße geworfen. Höflicher ausgedrückt: Sie hat es ihr anempfohlen.

Spaß aber macht es ihr trotzdem. Zu Hause gibt sie seit Jahren die Putzfrau Gretel, wenn es in die Fastnacht geht; in Demmin gibt sie schon nach wenigen Minuten die neue Einpeitscherin der Christdemokraten. Und weil sie in den vergangenen Tagen auch mit Aufregern von sich reden machte, wollen diesmal besonders viele Vorpommern live erleben, wie die Frau aus dem Südwesten - Rufname AKK - ihre Sache machen wird im Nordosten.

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Politischer Aschermittwoch

"Wir sind das verkrampfteste Volk auf der Welt"

CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer attackiert die Kritiker ihrer Karnevalsäußerung. Wenn man sich so künstlich aufrege, gehe ein Stück Kultur in Deutschland kaputt, sagt sie.

Und so viel lässt sich früh schon festhalten: Sie schlägt sich hervorragend. Jedenfalls aus Sicht der versammelten Christdemokraten, die bei Rotem Hengst (Schnaps), Sex on the Beach (Cocktail) und Bier aus Plastikbechern jubelnd aufstehen, als sie nach gut 40 Minuten ihre Rede beendet. Mit Verve, mit Leidenschaft, auch mit Zorn hat die Parteivorsitzende überrascht, Gesicht gezeigt und - siehe Applaus - viele Punkte gesammelt.

"AKK drum sei ein Schatz/Komm hoch zu mir - hier ist dein Platz"

Seinen Ausgang nimmt dieser abendliche Erfolg früh und ausgerechnet dort, wo es heikel hätte werden können. Schon als sie in die Halle einzieht, wird sie von schmeichelndem Beifall umhüllt und begleitet. Ein Applaus freilich ist das, der sich schnell mit Erwartungen verbindet. So erklärt der hier seit Jahren als Vorturner engagierte CDU-Europapolitiker Werner Kuhn am Ende seiner Begrüßung: "AKK drum sei ein Schatz/Komm hoch zu mir - hier ist dein Platz/Der ganze Saal ist jetzt perplex/Wir Vorpommern haben's nicht so mit dem 'Unisex'".

So fröhlich das klingen soll, so stolprig hätte die Sache an dieser Stelle werden können. Spielt sie doch auf das an, was sich seit Tagen am meisten mit dem Namen AKK verbindet. Gemeint ist ihre, nun ja, ein bisschen missglückte Geschichte von der Fasnacht in Stockach und ihr begrenzt lustiger Gag zum dritten Geschlecht. Zur Einordnung hatte sie als Antwort auf das dort übliche Narrengericht erklärt, bei der ganzen Frage gehe es vor allem um Männer, "die nicht wissen, ob sie noch im Stehen pinkeln dürfen oder schon sitzen müssen".

Wer erwartet hat, AKK würde sich nach den tagelangen Debatten etwas zerknirscht zeigen, wird in Demmin enttäuscht. Und zwar gewaltig. Mit Verve und gleich zu Anfang ihrer Rede verspricht sie nicht nur "deutliche Worte". Sie fasst alle Debatten um große und kleine Fehler zusammen, die dieses Jahr beim Karneval als solche gegeißelt wurden - und erklärt dann, wie falsch und gefährlich aus ihrer Sicht die Dinge behandelt wurden.

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Bei all dem, so die CDU-Chefin, sei es doch nicht um todernste Diskussionen, sondern um eine alte fröhliche Tradition gegangen. Und mit Blick auf den eigenen Lapsus fügt sie hinzu, wie wichtig es sei, nicht nur eine kurze Szene herauszugreifen. Wer sich den ganzen Abend von Stockach anschaue, merke nämlich schnell, dass es hier nicht um einen Angriff gegen irgendeine Minderheit gegangen sei, sondern um eine Reaktion auf den spöttischen Vorwurf, sie habe die "Entmannung der CDU" durchgezogen. Ja, hier sei es "um Emanzen und Machos und ums Verhältnis zwischen Männern und Frauen gegangen". Manchmal, so AKK weiter, "muss man einfach genau hinhören, bevor man sich aufregt".