bedeckt München

Konzentrationslager:Vor 80 Jahren begann das Leiden in Buchenwald

Wer nicht arbeiten konnte, wurde umgebracht: Im KZ Buchenwald perfektionierte die SS ihre furchtbare Systematik. Die ersten Gefangenen mussten das Lager selbst bauen.

13 Bilder

Schicksal Buchenwald - vor 80 Jahren erste Häftlinge im KZ

Quelle: dpa

1 / 13

"Jedem das Seine" - der Spruch ist heute noch bekannt. Dass der Satz am Tor des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar prangte und Grausames implizierte, gerät hingegen in Vergessenheit. Vor 80 Jahren, im Juli 1937, begann das große Leiden und Sterben.

-

Quelle: SZ

2 / 13

Auf Befehl der SS mussten die ersten Gefangenen das Lager aufbauen. Dieses Foto zeigt sie beim Bau des Appellplatzes. Im Vordergrund ist der provisorische Lagerzaun zu sehen, im Hintergrund die bereits fertiggestellten Häftlingsbaracken.

Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im April 1945

Quelle: picture-alliance/ dpa

3 / 13

Nur wenige Kilometer von Weimar entfernt sperrte die SS Hunderttausende Männer zusammen. Darunter waren neben Juden, Sinti und Roma auch politische Gefangene. Später kamen alliierte Kriegsgefangene dazu. Nach der Befreiung im Frühjahr 1945 fanden amerikanische Soldaten Leichenberge in dem Lager.

Gedenkstätte Buchenwald

Quelle: dpa

4 / 13

Die SS hatte eigens ein Krematorium gebaut, doch sie konnte am Schluss die Öfen nicht mehr befeuern, weil kein Brennstoff mehr da war. Mindestens 50 000 Menschen kamen in Buchenwald ums Leben. Systematische Vernichtung wie etwa in Auschwitz-Birkenau war nicht Hauptzweck des Lagers. In Buchenwald sollten die Häftlinge an Arbeit zugrunde gehen.

Elie Wiesel im KZ Buchenwald

Quelle: NARA Harry Miller/dpa

5 / 13

Die Häftlinge lebten auf sehr engem Raum, wie dieses nach der Befreiung aufgenommene Bild zeigt. Tödliche Krankheiten verbreiteten sich rasch. Das Lager stand wegen Typhus- und Ruhr-Epidemien mehrmals unter Quarantäne.

-

Quelle: United States Army Signal Corps. / Harry S. Truman Library & Museum

6 / 13

SS-Ärzte infizierten Häftlinge mit Seuchen-Erregern und verletzten sie mit Brandbomben. Wer an diesen "medizinischen Versuchen" starb, verhungerte oder hingerichtet wurde, konnte Objekt pathologischer Experimente werden. Die Mörder präparierten Schrumpfköpfe und fertigten Gegenstände aus Menschenhaut.

-

Quelle: Niels P. Jørgensen

7 / 13

Die Häftlinge wurden zur Arbeit an einer Bahnlinie und in einem Steinbruch gezwungen. Arbeitsunfähige Häftlinge tötete die SS. Der sogenannte Todeszug, in dem die Verantwortlichen gegen Ende des Krieges Tausende Sterbende und Tote Richtung Dachau schickten, fuhr auf Schienen, die die Häftlinge Jahre zuvor selbst errichtet hatten. "Die Waggons waren voller Leichen", schildert der Überlebende Wassily Nowak.

-

Quelle: Jule Rouard / CC-by-sa-3.0

8 / 13

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Buchenwald das größte noch bestehende KZ. 136 Außenlager und Außenkommandos stellten ansässigen Unternehmen Zwangsarbeiter bereit, darunter auch Frauen. Im April 1945 erreichten amerikanische Soldaten das Lager. Über den genauen Ablauf der Befreiung wird bis heute diskutiert. Vor allem DDR-Historiker sprachen von einer Selbstbefreiung unter der Leitung kommunistischer Kapos. Sicher ist, dass Häftlinge das Ende des Lagers vorausgeplant und durch Widerstand mit herbeigeführt haben.

Weimar früher-heute

Quelle: Sonja Marzoner

9 / 13

Die sowjetische Besatzungsmacht nutzte das Lager einige Jahre selbst, um politische Gefangene einzusperren. 1958 machte die DDR-Regierung das Gelände zur Gedenkstätte. Im Bild links sind FDJler bei einer Kranzniederlegung 1973 zu sehen, rechts die Gedenkstätte 2014.

Der Glockenturm von Buchenwald

Quelle: dpa

10 / 13

Heute gehören zu der Gedenkstätte ein Mahnmal und sowohl historische als auch Kunst-Ausstellungen.

-

Quelle: Mandel Ngan/AFP

11 / 13

Barack Obama (Mitte) besuchte die Gedenkstätte im Jahr 2009. Der damalige US-Präsident und Bundeskanzlerin Angela Merkel trafen dort Elie Wiesel (1928-2016), einen Buchenwald-Überlebenden.

-

Quelle: Bebeto Matthews/AP

12 / 13

Wiesel veröffentlichte mehrere Bücher und erinnerte mit Auftritten immer wieder an den Holocaust. 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Gedenkstätte Buchenwald

Quelle: dpa

13 / 13

Die Alliierten sprachen 1947 im Buchenwald-Hauptprozess alle 31 Angeklagten schuldig. Weitere 31 wurden in Nebenprozessen vor Gericht gestellt und sieben von ihnen freigesprochen. Die Folter-Ärzte wurden im Rahmen der Nürnberger Prozesse angeklagt.

Zehn SS-Männer und ein Funktionshäftling erhielten die Todesstrafe und wurden hingerichtet. Der Lagerkommandant starb vor seiner Hinrichtung in Haft. Die anderen in den Prozessen Verurteilten erhielten Haftstrafen. Fast alle von ihnen wurden bis Mitte der 50er Jahre aus dem Gefängnis entlassen.

© SZ.de/jsa/odg
Zur SZ-Startseite