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Erderwärmung:USA steigen offiziell aus Pariser Klimaabkommen aus

Ein Jahr nach dem Beschluss von US-Präsident Donald Trump verlassen die Vereinigten Staaten tatsächlich das Abkommen zur Rettung des Weltklimas. Sollte Joe Biden neuer Präsident werden, könnte sich das wieder ändern.

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 gehört wohl zu den wichtigsten internationalen Vereinbarungen der Geschichte - hat es doch das Ziel, die gefährliche weltweite Erwärmung der Atmosphäre - den Klimawandel - zu bremsen und sogar zu stoppen.

Im Dezember feiert das Abkommen seinen fünften Geburtstag, doch das Land mit dem zweithöchsten Treibhausgas-Ausstoß der Welt ist nun offiziell nicht mehr an Bord. Am Tag nach der Präsidentenwahl sind die USA, wie von US-Präsident Donald Trump beschlossen, aus dem Pariser Klimaabkommen der Vereinten Nationen ausgeschieden.

Für die internationale Klimapolitik sei das "höchst bedauerlich", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. "Umso wichtiger" bleibe es nun, dass die EU und Deutschland "mit gutem Beispiel vorangehen".

Klimaschützer setzen ihre Hoffnung nun darauf, dass Trump die Wahl gegen Joe Biden verliert. Trumps Herausforderer hat nämlich angekündigt, dem Klimaabkommen wieder beizutreten und das Ziel zu verankern, die US-Wirtschaft bis 2050 klimaneutral zu machen. Das heißt, dass unterm Strich keine zusätzlichen Treibhausgase mehr in die Atmosphäre gelangen. Auch die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral werden.

Feuer in den USA, Folge des Klimawandels?

Wildfeuer in Chino, Kalifornien, Ende Oktober - eine Folge des Klimawandels? Zumindest dürfte sich die Häufigkeit solcher Brände erhöhen.

(Foto: AFP)

Die von Trump beschlossene Kündigung trat am Mittwoch um Mitternacht New Yorker Ortszeit in Kraft, genau vier Jahre, nachdem die 2015 in Paris ausgehandelte historische Vereinbarung zur Begrenzung des Klimawandels in Kraft getreten war, und ein Jahr nach der formellen Austrittserklärung der US-Regierung. Die USA sind das erste und bisher einzige Land, dass das Klimaabkommen verlassen hat. Sie haben weltweit den zweithöchsten Treibhausgas-Ausstoß nach China, bei deutlich weniger Einwohnern.

Folgen der Klimakrise bereits weltweit spürbar

Ziel der Vereinbarung ist, den Klimawandel auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Bestimmte Details zur Umsetzung werden bis heute verhandelt, aber im Großen und Ganzen stehen die Regeln. Bisher reichen die Pläne der Staaten für das Einsparen von Treibhausgasen allerdings noch längst nicht aus, um das Zwei-Grad-Ziel zu schaffen.

Die Folgen der Klimakrise sind bereits weltweit spürbar - dazu gehören etwa ein Anstieg der Meeresspiegel, ein höheres Risiko von Dürren, Hitzewellen, schweren Stürmen und Überschwemmungen, aber auch das Abschmelzen von Gletschern und der Eisflächen an den Polen oder das Absterben von Korallenriffen.

Regierungssprecher Seibert erinnerte an die Zusage Deutschlands, bis 2050 klimaneutral zu werden, sowie an den entsprechenden Plan der Europäischen Union und die laufende Debatte über eine Verschärfung des Klimaschutz-Ziels 2030. Viele Länder machten sich gerade auf den Weg in eine klimafreundlichere Wirtschaftsweise, sagte er. Das gelte auch für viele Bundesstaaten, Städte, Gemeinden, Unternehmen und Organisationen in den USA.

Der Austritt der USA sei ein "Rückschlag, aber nicht das Ende der globalen Klimapolitik", sagte der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler. Der Linke-Politiker Lorenz Gösta Beutin sprach von einem "klimapolitischen Super-Gau". Die Grünen-Politikerin Lisa Badum sagte, der Austritt sei ein "herber Verlust und Ergebnis einer von Nationalismus, Egoismus und Wissenschaftsleugnung getriebenen Politik".

Putin kündigt weitgehende Ziele an

Russlands Präsident Wladimir Putin hat im Kampf gegen den Klimawandel eine Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 70 Prozent des Niveaus von 1990 angewiesen. Das Ziel solle bis 2030 erreicht werden, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Verfügung des Kremlchefs. Zudem wies Putin die Regierung an, eine Strategie für eine klimaneutrale soziale und wirtschaftliche Entwicklung Russlands bis 2050 auszuarbeiten.

Russland beklagt, dass der Temperaturanstieg in dem Land stärker sei als in anderen Teilen der Welt. Besondere Sorge bereitet Wissenschaftlern, dass die Permafrostböden in Sibirien auftauen und zum Beispiel gigantische Mengen des klimaschädlichen Methangases freigeben. Russland bekommt als größtes Flächenland der Erde die Folgen des Klimawandels nicht nur durch das Auftauen der Permafrostböden, sondern auch durch jährliche Temperaturrekorde, massive Waldbrände und Überschwemmungen zu spüren.

Die Rohstoffgroßmacht Russland, die vor allem von ihren Gas- und Ölressourcen lebt, gehört zu den Ländern mit dem höchsten Ausstoß von Kohlendioxid. Fast zwei Drittel der Bodenfläche in Russland sind dauerhaft gefroren. Dort könnten durch das Auftauen riesige Mengen Kohlenstoff freigesetzt werden, was die Klimaerwärmung weiter beschleunigen würde.

© SZ/dpa/mcs/pak
Environmental activist and campaigner Mya-Rose Craig holds a cardboard sign reading âÄœyouth strike for climateâÄ� in the middle of the Arctic Ocean

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