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Klimagipfel Kopenhagen:Wer ohne Sünde ist ...

Unser Verhalten muss sich ändern, wollen wir den Klimawandel stoppen. Wäre das nur nicht so schwer. sueddeutsche.de-Mitarbeiter beichten ihre großen und kleinen Klimasünden. Welche ist Ihre?

Die Glühbirne

Glühbirne, dpa
(Foto: Foto: dpa)

Ich habe in meinem Leben noch keine Energiesparlampe gekauft. Keine einzige. Ich ärgere mich über die EU, die die Glühbirnen verbietet - und bin wohl der lebende Beweis dafür, dass das Verbot der Energieverschwender richtig ist. Denn obwohl ich die Umwelt schützen will, durchaus bereit bin, dafür auch Opfer zu bringen und auch nicht wie manche Glühbirnenromantiker den Effizienzvorteil der Sparlampen bezweifle, halte ich aus überwiegend irrationalen Gründen an Edisons Erfindung fest.

Ich gehöre zu jener Gattung nordeuropäischer Höhlenmenschen, die sich abends am wohlsten fühlt, wenn möglichst viele Lichtquellen möglichst wenig, möglichst rot-oranges Licht erzeugen. Ich esse gerne in Restaurants, in denen Kerzen nicht nur Zierde sind, sondern tatsächlich den Tisch erleuchten. Ich trinke gerne Bier in Kneipen, in denen das Licht so diffus ist, dass ich die Augenringe das Wirts nicht sehen muss. Und wenn ich abends im Wohnzimmer sitze, brennen dort manchmal dreizehn elektrische Lichtquellen - ohne den Raum wirklich zu erhellen. Dann glühen allein in dem alten Kronleuchter acht 15-Watt-Lampen vor sich hin, gedimmt auf ein Viertel ihrer Leuchtkraft. Die reicht dann gerade aus, die Glaskristalle am Leuchter zum Glitzern zu bringen.

Es wäre schon sparsamer, statt der acht Lampen nur zwei ungedimmt brennen zu lassen. Aber nicht so schön. Es wäre noch sparsamer, den Kronleuchter mit einer Energiesparlampe zu ersetzen. Aber nicht so schön. Auch wenn es mittlerweile bessere Energiesparlampen gibt, die wärmeres Licht spenden, auch wenn Experten sagen, dass der Mensch die Unterschiede im Lichtspektrum kaum mehr wahrnehmen kann: Ich habe noch keine Energiesparlampe so warm und wohlig leuchten sehen wie die Glühbirnen in meinem Kronleuchter. Deshalb lagern in einer Schublade genügend Glühbirnen, um meinen Kronleuchter mindestens bis 2020 Energie verschwenden zu lassen.

Doch zumindest im Flur, im Bad und wohl auch in der Küche sollten eigentlich schon längst die Energiesparlampen leuchten. Wenn ich mich nun frage, warum dort noch immer Glühbirnen vor sich hin brennen, finde ich dafür keine vernünftige Antwort.

Sündenfall: Die Dusche

Die Dusche

Dusche, Haas
(Foto: Foto: Haas)

Meine Klimasünde: langes, heißes Duschen, und das jeden Tag. Wenn es besonders kalt ist, auch gern zweimal am Tag. Das hat nichts mit einem Waschzwang zu tun, sondern mit Entspannung: Erst wenn ich unter dem heißen Strahl stehe, kann ich abschalten. Bei einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 14 Litern pro Minute ist das eine echte Klimasünde - ein Duschbad kann schon mal 30 Minuten dauern. Das bedeutet einen Wasserverbrauch von 420 Litern pro Tag, und das bei nur einmal duschen ... Dringend benötigt: ein neuer Duschkopf mit Wassersparfunktion. Und eine neue Entspannungstechnik.

Sündenfall: Das Fleisch

Fleisch, dpa
(Foto: Foto: dpa)

Das Fleisch

Heute schon wieder. Ich stand in der Kantine vor dem Gemüsefrikassee mit Babylauch, Champignon und zweierlei Reis. Dazu hätte es einen gemischten Salat gegeben. Und dann bin ich doch mit dem Schweinekrustenbraten von dannen gezogen.

Ich esse Fleisch. Wahnsinnig gerne und viel zu oft. Rind, Schwein, Pute, Reh. Gebraten, gekocht, gegrillt. Mit Soße oder ohne, gehackt, in Scheiben oder als Wurst in Dosen verpackt. An besonders schlimmen Tagen esse ich mittags Schnitzel und abends Fleischpflanzerl. Wenn ich meine Eltern besuche und sie mir eine Freude machen wollen, braten sie mir ein dickes Steak. Lieber als in eine Boutique gehe ich zum Metzger. Ich muss sogar zugeben, dass ich Vegetarier ein wenig verachte.

Sündenfall: Das Fleisch

Das ist klimatechnisch natürlich katastrophal, da beißt die Maus keinen Faden ab: Ein Fünftel der persönlichen Klimabilanz geht auf das Konto des Speiseplans, habe ich gelesen. Milchprodukte weisen zwar auch eine ungünstige Klimabilanz auf, schlimmer als Fleisch ist aber nichts. Kühe zum Beispiel rülpsen alle 40 Sekunden; jede von ihnen stößt dabei bis zu 230 Liter Methan am Tag aus - das ist eine reale Bedrohung für das Weltklima. Eine Kuh verursacht in ihrem Leben vor dem Rindersteak in etwa so viele Treibhausgase wie ein Pkw, mit dem man 18.000 Kilometer fährt (immerhin besitze ich kein Auto).

Hoffnung gibt mir, dass Wissenschaftler der Universität Bonn die Kuh nun umweltverträglicher machen wollen. Geprüft wird unter anderem, ob man den Tieren Gasmasken aufsetzen oder ihnen einen Methan-Staubsauger auf den Rücken schnallen sollte.

Sündenfall: Der Wäschetrockner

Wäschetrockner, iStock
(Foto: Foto: iStock)

Der Wäschetrockner

Mein Leben ist ein anderes, seit ich meine kleine Tochter habe. Vor der Waschmaschine türmten sich plötzlich Berge in Dunkel, Weiß und Bunt - also eigentlich Rosa in allen Abstufungen - und manchmal sah unsere Wohnung zugestellt mit Trockenständern aus, als würde ich noch immer die Wäscherei meiner Urgroßmutter betreiben, deren Freilufttrocknung ein Qualitätsmerkmal war.

Doch damit ist seit einer Weile Schluss: Denn das Leben ist wieder normal geworden, seit neben der Waschmaschine ein Trockner steht. "Energieeffizient" prangt da ganz groß vorne auf der Türe und mit einem roten Pfeil ist das beruhigend grüne B markiert, nur A wäre noch energieeffizienter, aber B ist ja auch schon gut, sehr gut sogar, suggeriert es doch, man würde gewissermaßen durch einen Wäschetrockner auch noch Energie sparen.

Natürlich weiß ich, dass dem nicht so ist. Immer wieder plagt mich deswegen ein schlechtes Gewissen und ich hänge wieder sorgfältig alles auf die Leine. So lange, bis meine Tochter unter einem der Wäscheständer Sockenrunterziehen spielt, über jeder Tür ein nasses Spannbetttuch hängt, die Kinderpullover am nächsten Tag noch immer feucht sind und sich das Handtuch gar nicht weich und flauschig, sondern kratzig und bretthart anfühlt.

Dann werde ich wieder schwach, werfe alles, was ich finden kann in den Trockner, höre das beruhigende Wummern der Trommel - und versuche mein schlechtes Gewissen zu verdrängen.

Und meine Tochter? Die hat zu der Klimasünde in unserer Küche ein wesentlich entspannteres Verhältnis. Schließlich blinkt und piepst und wummert das Teil so schön und wenn man sich davor stellt, pustet es einem warme Luft ins Gesicht. Passe ich nicht auf, kommt es schon mal vor, dass der Trockner leer läuft - oder ein absolut trockener Holzbaustein dort einsam seine Runden dreht. Ein schlechtes Gewissen hat die Kleine nicht. Sie hat ja ein Vorbild.

Sündenfall: Der Billigflieger

Billigflieger, AFP
(Foto: Foto: AFP)

Der Billigflieger

Ich möchte nicht durch Fulda fahren. Und ich habe keine Lust auf Wartezeit in Saalfeld/Saale.

Wenn es sich vermeiden lässt. Und es lässt sich vermeiden. Nicht nur das. Ich spare sogar Geld dabei, wenn ich nicht durch Fulda fahren und in Saalfeld warten will; wenn ich also von München aus nach Hamburg oder Berlin fliege und nicht mit der Bahn fahre. Die Bahn, die durch Fulda fährt (nach Hamburg) und in Saalfeld hält (nach Berlin).

Nein, bitte nicht falsch verstehen. Fulda ist bestimmt schön. Saalfeld sowieso. Aber ich habe keine Freunde in Fulda. Das soll jetzt kein Mitleid wecken. Aber: In Hamburg und Berlin, da sind viele Freunde. Die sich freuen über den Besuch, deren Wiedersehen mir eine große Freude bereitet. Mir ist nicht bekannt, dass sich Menschen in Fulda freuen, wenn ich durch ihre Stadt fahre.

Ich will fliegen. Und ja, ich bin in letzter Zeit oft nach Hamburg und Berlin geflogen, obwohl mir das kaum Zeitersparnis bringt. Das alte Argument, ich zähle es schon gar nicht mehr auf. Der Stoiber hat's ja nicht geschafft mit dem Transrapid. Bis ich am "Münchner" Flughafen bin, vergehen halt mehr als zehn Minuten. Und meine Freunde wohnen auch nicht direkt am Hamburger beziehungsweise am Berliner Flughafen.

Die üblichen Mechanismen greifen, um das Gewissen zu beruhigen: "Aber dafür verzichte ich auf ..." - so beginnen die inneren Monologe, wenn ich im Flughafen hocke und auf den Billigflieger warte.

Und dennoch: Ich S-Bahn- und Fahrradfahrer, ultrakorrekter Wohnungsbeheizer, Wochenendtrip-nach-New-York-Ablehner, muss damit aufhören. Ich muss die Mondänität des Fliegens richtig einordnen (es gibt sie nicht mehr), ich muss anfangen, auch eine Zugfahrt als Urlaub anzusehen. Ich muss mir vielleicht 'ne Bahncard kaufen. Welche Sehenswürdigkeiten hat eigentlich Fulda?

Sündenfall: Die Frischhaltefolie

Alufolie, ddp
(Foto: Foto: ddp)

Die Frischhaltefolie

Wer aufgerissene Käse- und Wurstschachteln auf seinem Abendbrottisch unappetitlich findet, drapiert den Inhalt auf eleganten Marmortellern. Was aber geschieht mit dem übrigen Aufschnitt nach dem Essen? Zurück in die Industriehüllen? Nein, geht nicht. Ab in die Tupperdose? Wer geht schon gerne auf Tupperabende?

Also erfolgt klammheimlich, mit leicht schlechtem Öko-Gewissen, der Griff in die Schublade, wo neben dem Backpapier und der Alu-Folie die Frischhaltefolie wartet. Es geht doch nicht anders, beruhigt man sich und ärgert sich noch mehr, wenn die Wurst- und Käsehülle naturgemäß schief abreißt und überall dort zusammenklebt, wo sie nicht soll. Nach zermürbendem Fingerspiel landet der straff überzogene, vakuumisierte Wurstteller nun doch irgendwann im Kühlschrank neben seinem käsigen Gegenüber. Aber was ist diese Tortur verglichen mit einem nicht enden wollenden Tupperabend.

Semmel, ddp
(Foto: Foto: ddp)

Sündenfall: Der Bringdienst

Der Bringdienst

Es ist nicht viel mehr als eine alte Gewohnheit. Hab ich irgendwie jahrelang so gemacht. War eben praktisch. Irgendwann hat das aber auch mal Sinn gemacht. Als ich nur drei Tage die Woche gearbeitet habe, blieben vier Tage von der Woche über, an denen ich die Zeitung gelesen habe, die mir ein gehetzter Frühaufsteher jeden Tag auf den Fußabstreifer legt. Jetzt arbeite ich an fünf bis sechs Tagen die Woche und kaufe am Samstag ein und am Sonntag mache ich meist auf Familie.

Die Zeitung nehme ich zwar vom Fußabstreifer, weil ich sonst drüberfalle, wenn ich zur Tür raus und in die Redaktion fahren will. Und am Abend nehme ich sie dann aber nur vom Esstisch und schmeiße sie in die Papiertonne. Denn: Die Zeitung lese ich nicht mehr zu Hause, sondern in der Redaktion. Wenn ich am Samstag und Sonntag außerdem meine Brötchen von einem Brötchendienst bringen lasse, dann fahren eigentlich zwei Leute unnützerweise bis vor meine Haustür. Wenn ich genau überlege, dann könnte ich die Zeitung eigentlich auch abbestellen. Dann hätte ich mehr Platz in meiner Papiertonne, ein weniger schlechtes Gewissen und am Samstag bekäme ich ein bisschen frische Luft ab, wenn ich mich zum Brötchen- und Zeitungholen zum Kiosk begeben würde.

Aber die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Medien fürchte ich eben noch mehr als die Klimakrise, weil sich die nicht in der möglichen gähnenden Leere auf meinem Konto ausdrückt.

Porsche, dpa
(Foto: Foto: dpa)

Sündenfall: Der Porsche

Der Porsche

Es braucht nur zwei Worte: Porsche Turbo. Auf der einen Seite der Klima-Wahnsinn auf vier Rädern - da hilft jedes Gesundbeten aus Zuffenhausen nicht. Zwei Personen und kaum Gepäck mit Raketenkraft auf 300 Sachen zu beschleunigen, ist nicht nur ökologisch unkorrekt, es ist die Ur-Klimasünde.

Auf der anderen Seite - ich gebe es offen zu - war es ein unvergessliches Erlebnis. Gut zwei Jahre ist meine Testfahrt mit dem schnellsten Serienwagen der Welt nun her. Sie hat mich fürs Leben verdorben. Nicht, dass ich zum Autofanatiker geworden wäre oder mir so einen Rennwagen kaufen wollte. Doch ich werde eben nie mehr vergessen, was Vollgas heißen kann, mit welch archaischer Wucht man aus der Normalität gerissen wird.

Womöglich bin ich damit in Klimafragen so etwas wie ein Schläfer, ein Honda fahrender Klima-Terrorist im Wartestand.

Ein Auto-Experte sagte mir, dass es Elektro-Sportwagen gäbe, die noch stärker beschleunigen können wie ihre Benzinkollegen. Vielleicht kuriert mich das nachhaltig von dem immerwährenden Wunsch, noch einmal, nur noch ein einziges Mal Vollgas zu geben in diesem Klimawahnsinnsteil.

PET-Flasche, ddp
(Foto: Foto: ddp)

Sündenfall: Die Plastikflasche

Die Plastikflasche

Okay, ich fahre aus Umweltschutzgründen kein Auto mehr, benutze wenn möglich nicht das Flugzeug, trenne den Müll, kaufe in Bio-Läden, esse vegan und bin in einem grünen Haushalt aufgewachsen. Ich musste also kurz überlegen, als die Frage auftauchte, ob ich nicht doch eine Umweltsünde im Keller habe. Und siehe da: Es gibt sie.

Weil ich ja nun kein Auto mehr fahre und weil zur veganen Ernährung am besten reines Wasser passt, kaufe ich Unmengen von Wasserflaschen - in PET-Behältern. In unserem grünen Haushalt damals gab es so etwas noch nicht. Der Familienvater brachte jede Woche mit dem Auto die schweren Kisten mit den Glasflaschen nach Hause. Inzwischen ist er rückenkrank, und die Industrie hat fast komplett auf die wesentlich leichteren Plastikflaschen umgestellt. Nur noch ein Drittel unseres abgefüllten Mineralwassers gibt es in Glasflaschen zu kaufen - der Rest kommt in Plastik.

PET passe besser zu unserer mobilen, durchflexibilisierten Gesellschaft, begründen Industrie und Wirtschaft den Rückgang der Glasverpackung. Und sie sei ja schließlich auch recyclingfähig, wird die Plastikflasche oft genug sogar als besonders umweltfreundlich beworben. Blöd ist nur: Nicht alle PET-Flaschen-Erwerber sind auch PET-Flaschen-Zurückbringer - trotz Pfand. Unter anderem deshalb sorgen sie inzwischen für einen gefährlichen Giftmühl-Strudel in unseren Ozeanen. Zweitens wird PET durch Erdöl hergestellt - die Glasflasche ist also allein schon deswegen der Plastik-Schwester vorzuziehen, was die Umweltbilanz angeht. Drittens sorgt gerade der vermeintliche Vorteil der PET-Flasche, nämlich ihr geringes Gewicht, auch schon wieder für Umweltsorgen, indem es ökologisch unsinnige lange Transportstrecken wirtschaftlich erst möglich macht.

Zuguterletzt wurde erst kürzlich untersucht, in welchem Maße Plastikflaschen Hormone an ihren Inhalt abgeben. Und siehe da: Die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen war bei neuen Untersuchungen etwa doppelt so hoch wie in Wasser aus Glasflaschen.

Der Trick dabei ist: Wenn wir dank PET nun alle weiblicher werden, haben wir unseren Beitrag zum Umweltschutz eigentlich schon geleistet. Denn Frauen, so der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), sind einfach die besseren Umweltschützer, weil sie mehr auf ihre Gesundheit achten als Männer. Oder stimmt da was nicht in der Argumentationskette? Ich überlege mir das noch mal - am besten bei einem Glas PET-freiem Wasser.

Babyglas, AP
(Foto: Foto:)

Sündenfall: Das Babyglas

Das Babyglas

Okay, ja. Ich bin auch eine Klimasau. Ich werfe die Hipp/Alete/Alnatura-etc.pp.-Gläschen meiner Tochter (1,3 Jahre alt) in den Müll. Manchmal. Und dann mit schlechtem Gewissen. Aber - und das muss man betonen - ich habe mehrere Jahre in Hamburg St. Pauli gewohnt. Und da bin ich versaut worden. Denn dort gab es gar keine Mülltrennung, weil das zumindest in diesem Stadtviertel einfach keinen Sinn macht. Oder machte das nur in meiner Straße keinen Sinn, einer Verlängerung der Großen Freiheit? Ich weiß es einfach nicht, ich habe es nur so gemacht wie die anderen Leute aus meinem Hinterhof auch.

Aber jetzt mal ganz ehrlich, ich habe so vom Hörensagen gehört, dass man beispielsweise Papier ruhig mal in die Mülltonne schmeißen kann, weil die Müllverbrennung sonst eh nicht funktionieren könne. Ob das stimmt? Keine Ahnung, wer gibt mir solche Infos? Und diese Miniglasgläschen mit Brei- und Nudelpampe-Resten, die würden sich ansonsten auf dem Balkon stauen. Weil ich es nicht regelmäßig zum kilometerweit entfernten Glassammelcontainer (schönes Wort) schaffe. Und dann sieht es auf dem Balkon schnell aus wie bei Hempels unterm Sofa. Obwohl ich eigentlich auch wirklich nicht weiß, wie es da aussieht.

Jedenfalls bin ich der Meinung, man sollte nicht übertreiben mit der Mülltrennerei. Denn so geordnet wie der Müll ist doch unser alltägliches Leben auch nicht. Oder?

iPhone, AFP
(Foto: Foto: AFP)

Sündenfall: Das iPhone

Das iPhone

Es ist ja nicht so, dass ich süchtig wäre. Aber wenn die Firma Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, bringe ich ein hohes Maß Energie auf, um es testen oder gar kaufen zu können. Da geht es schon los, mit der Verschwendung.

So bin ich an mein iPhone gekommen. Und auch wenn dieses runde, handschmeichelnde, intuitiv zu bedienende Gerät eigentlich so geschaffen ist, dass jedes negative Attribut an ihm abperlt, so muss ich doch zugeben: Es ist ein Klimakiller.

Bei regelmäßiger Benutzung ist der Akku abends leer. Mit regelmäßiger Benutzung meine ich nicht unbedingt twittern, Mails abrufen, Fotos schießen, Autorennen fahren, Dart spielen oder Facebook-Meldungen posten. All das kann mein Telefon, und ich bin der festen Überzeugung, dass es mir irgendwann auch einen perfekten Espresso brühen wird, wenn sich nur jemand bequemt, ein passendes Programm zu schreiben.

Telefonieren reicht schon, um abends nur noch einen lausigen roten Strich zu sehen - dort, wo morgens noch eine prallgefüllte Batterie zu sehen war. Spätestens, wenn der Touchscreen unter all den schmierigen Fingerabdrücken meldet, dass die Batteriekapazität nun aber doch arg zur Neige geht, hänge ich das Telefon an eine Steckdose oder an den USB-Eingang meines - Überraschung! - Apple Macbooks.

Ich tue das grundsätzlich kurz vor dem Schlafengehen, weil ich dann sicher gehen kann, dass ich heute ganz sicher keine der 1000 Funktionen mehr brauchen werde. Ich habe dabei ein schlechtes Gewissen und fluche ein bisschen, denn während der Akku gierig an der Steckdose saugt, kann ich das Telefon noch nicht einmal ausschalten. Das Telefon MUSS eingeschaltet sein, sonst lädt es nicht.

Dahinter steckt natürlich ein hinterer Sinn, sonst hätte Apple das nicht so eingerichtet. Das denke ich mir, gehe schlafen und träume von der nächsten Produktgeneration. Die ganz bestimmt stromsparender ausfallen wird.

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