Kampf gegen IS und al-Qaida Diktatoren verbünden sich gegen Dschihadisten

Soldaten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verbrennen eine Flagge der al-Qaida-nahen Nusra Front.

(Foto: REUTERS)

Die sunnitischen Herrscher am Golf und in Ägypten wollen zusammen gegen Terroristen kämpfen. Aus militärischer Sicht macht das Sinn. Dass dieses Bündnis die politische Lage verbessert, ist dagegen unwahrscheinlich.

Kommentar von Tomas Avenarius

Auf das Wort von der arabischen Einheit folgt beim Publikum meist höhnisches Lachen. In den vergangenen 60 Jahren haben alle Versuche, die Politik der arabischen Staaten aufeinander abzustimmen, nur zu neuen Niederlagen oder alter Lähmung geführt. Jetzt wollen Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate sich zu einer Anti-Terror-Allianz zusammenschließen: Armeen und Geheimdienste sollen eng zusammenarbeiten, vielleicht eine schnelle Eingreiftruppe aufgestellt werden. Selbst das Schlachtfeld scheint schon ausgesucht zu sein: Erwogen wird offenbar, gemeinsam im Dschihadisten-Nest Libyen einzugreifen.

Häme ist angesichts dieser Einheitspläne gänzlich unangebracht. Sunnitische Dschihadisten sind in fast allen Staaten der Region auf dem Vormarsch. Sie beherrschen weite Teile Libyens, haben den ägyptischen Sinai in einen Kriegsschauplatz verwandelt, in Tunesien und Algerien wächst ihre Präsenz. In vielen angrenzenden afrikanischen Staaten bewegen sich die Militanten nach Gutdünken. Syrien, der Irak, kleine Teile Libanons - alles Kriegsgebiet. Selbst im Armenhaus Jemen haben Milizionäre das Sagen. Al-Qaida terrorisiert die abgelegenen Teile des Landes, die Hauptstadt Sanaa ist von schiitischen Huthi-Rebellen übernommen worden, der Staat selbst existiert kaum noch.

Und wer, wenn nicht die arabisch-islamischen Staaten selbst, könnten das Dschihad-Problem lösen? Westliches Eingreifen, ob mit Truppen oder Drohnen, hat alles verschlimmert, den Terror genährt. Zudem ist eine US-Führungsrolle oder eine Strategie für Nahost nicht zu erkennen. Auf die Kleinkaliber-Militärmacht Europa können die Araber nicht hoffen. Sie müssen sich also selbst helfen. Denn anders als für die westlichen Regierungen geht es für diese Staaten um mehr als blutige Terroranschläge: Die sunnitischen Militanten wollen die Herrscher am Golf stürzen und erklären das Regime des Ägypters al-Sisi zur gottlosen Veranstaltung. Pardon wird da keines gegeben, von keiner Seite.

Ägyptens Präsident Sisi mahnt Anti-Terror-Strategie an

Die Dschihadisten selbst schließen sich zudem länderübergreifend in Allianzen zusammen. Die einen heuern noch bei al-Qaida an, die anderen schwören schon dem Islamischen Staat die Treue. Spätestens das Entstehen des Kalifatstaats, die Machtübernahme der Militanten in Libyen und der Bürgerkrieg in Syrien haben den Herrschern in Riad, Abu Dhabi und Kairo gezeigt, dass es ums Überleben geht. Ägyptens Präsident Sisi hatte eine umfassende Anti-Terror-Strategie angemahnt; offenbar wird sie nun institutionalisiert.

An manchen Orten ist die militärische Zusammenarbeit der künftigen Allianz ohnehin schon Realität. Im Sommer und Herbst hatten Kampfjets libysche Dschihadisten bombardiert. Obwohl Kairo dementierte, war klar, dass die Flugzeuge aus Ägypten kamen. Es waren Maschinen der Arabischen Emirate und wohl auch der ägyptischen Luftwaffe. Finanzierbar ist das arabische Bündnis auch - die Golfstaaten haben Geld. Militärisch ist die Kooperation schwieriger, denn ihre Armeen sind schwach. Aber sie haben zumindest moderne Luftwaffen und gute Eliteeinheiten. Ägypten hat kein Geld, aber eine riesige, halbwegs brauchbare Armee. Damit sollten diese Regierungen den Dschihadisten militärisch entgegentreten können.

Politisch hingegen sollte sich keiner etwas von der arabischen Allianz versprechen. Die Verbündeten gehören zwar alle zum Lager der Anti-Islamisten, aber zählen eben alle auch zu den konservativen, reaktionären Regimes. Die gemeinsame Einsicht, dass Terrorismus und militanter Islamismus immer auch die direkte Folge von politischer Repression und ungerechten sozialen Verhältnissen sind, sollte von diesen Herrschern niemand erwarten.