bedeckt München 17°

Jugendorganisation von CDU/CSU:Zeitenwende bei der Jungen Union

JU-Plakate

Politische Werbung à la Junge Union, Teil eins.

(Foto: KAS/ACDP 10-001-6802CCBY-SA3.de)

Als Wahlplakate noch unfreiwillig komisch aussahen, wurde Philipp Mißfelder JU-Chef. Nun muss er nach zwölf Jahren altersbedingt aufhören. Bei der Wahl seines Nachfolgers geht es auch darum, wie offen die Jugendorganisation die Kanzlerin attackieren soll.

Von Robert Roßmann, Berlin

Es ist eine Ära, die an diesem Freitag zu Ende geht. Philipp Mißfelder, gefühlt seit Adenauers Zeiten Vorsitzender der Jungen Union, muss aus Altersgründen sein Amt aufgeben. Als Mißfelder 2002 JU-Chef wurde, war Angela Merkel noch nicht einmal Kanzlerkandidatin. Niemand in der Geschichte der Jugendorganisation war länger Vorsitzender als der 35-Jährige. Es ist eine Zeitenwende. Von den 316 Delegierten, die in Inzell zusammenkommen, waren die meisten bei Mißfelders erster Wahl noch Kinder oder Jugendliche.

Für die JU ist das auch eine Chance. Mißfelder hatte mit seinen dubiosen Kontakten nach Osteuropa und seiner Teilnahme an Gerhard Schröders Geburtstagsparty in Sankt Petersburg das Bild der JU zuletzt nicht gerade verbessert. Wie es jetzt weitergeht, ist aber auch für die CDU von Bedeutung.

Die Jugendorganisation hat 117 000 Mitglieder und ist damit so stark wie Grüne und Linke zusammen. Sie stellt 27 Bundestagsabgeordnete und Tausende Mandatsträger in den Kommunen. Wer diese Organisation führt, kann für Merkel eine große Hilfe sein - oder ein ziemliches Ärgernis.

Am Freitagabend kommt die Kanzlerin selbst nach Inzell. Einige Stunden später soll dann der Mißfelder-Nachfolger gewählt werden. Es wird - zum ersten Mal seit fast 50 Jahren - eine Kampfabstimmung geben.

Die JU ist damit so stark wie Grüne und Linke zusammen

In der Inzeller Eissporthalle treten Paul Ziemiak und Benedict Pöttering gegeneinander an. Der 29-jährige Ziemiak ist Chef der mächtigen NRW-JU, Pöttering (31) stammt aus Niedersachsen und ist stellvertretender Bundesvorsitzender.

Inhaltlich unterscheiden sich die beiden kaum. Man kann sie ein Dutzend Mal fragen, wo sie eine andere Auffassung als der jeweils andere haben, und bekommt doch keine rechte Antwort. "Wir sind ja in derselben Jugendorganisation, es ist daher weder verwerflich noch überraschend, dass wir bei vielen Fragen ähnliche Positionen haben", sagt Ziemiak. Streiterprobte Jungsozialisten können über so einen Satz vermutlich nur lachen, Ziemiak meint ihn ernst.

Junge Union, neuer Bundesvorsitzender, Kandidaten, Paul Ziemiak, Benedict Pöttering

Zwei Kandidaten, inhaltlich kaum zu unterscheiden: Paul Ziemiak (links) und Benedict Pöttering wollen JU-Bundesvorsitzender werden.

(Foto: Benedikt Becker)

Pöttering und er unterscheiden sich bestenfalls in ihren Schwerpunkten erkennbar. Ziemiak ist zum Beispiel die Stärkung der Familien besonders wichtig. Er sei natürlich auch für eine ausreichende Versorgung mit Kita-Plätzen, sagt er. Trotzdem glaube er nach wie vor, dass Eltern ihre Kinder besser erziehen könnten als der Staat. Pöttering redet lieber über Außenpolitik. Als stellvertretender Chef der europäischen Jugendorganisation hat er auf dem Maidan in Kiew gesprochen. Insgesamt gilt Ziemiak als eine Nuance konservativer, vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen. Wahlentscheidend dürfte das aber nicht sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB