Streit um einen Tweet Direktor des Jüdischen Museums Berlin zurückgetreten

Peter Schäfer, der zurückgetretene Direktor des Jüdischen Museums Berlin, im Jahr 2014.

(Foto: dpa)
  • Peter Schäfer, der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, ist von seinem Amt zurückgetreten.
  • Das Museum teilte mit, er wolle damit weiteren Schaden vom Museum abwenden.
  • Zuvor hatte es mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland Streit wegen eines Tweets gegeben.

Der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, ist von seinem Amt zurückgetreten. Das teilte die Stiftung Jüdisches Museum Berlin am Freitagabend mit. Demnach wolle Schäfer weiteren Schaden vom Museum abwenden. Die operative Leitung übernimmt der geschäftsführende Direktor Martin Michaelis.

Vorausgegangen war scharfe Kritik am Museum, vorgebracht vom Zentralrat der Juden in Deutschland, der sogar den Kontakt zum Museum in Berlin abgebrochen hatte. Josef Schuster, der Präsident des Dachverbandes aller jüdischen Gemeinden, schrieb auf Twitter: "Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein. Unter diesen Umständen muss man darüber nachdenken, ob die Bezeichnung 'jüdisch' noch angemessen ist. Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft hat die Leitung des Hauses verspielt." Es dränge sich die Frage auf, ob der Direktor "seiner Aufgabe noch gewachsen ist".

Schäfers Museumsführung war auch im eigenen Haus umstritten

Anlass des Ärgers ist ein Tweet des offiziellen Accounts des Jüdischen Museums Berlin. Darin hatte die Pressesprecherin unter dem Hashtag #mustread eine Leseempfehlung für einen taz-Artikel gegeben, in dem es um die Kritik von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern an einem Beschluss des Bundestages geht. Die Berliner Parlamentarier hatten vor Kurzem die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilt. BDS ist ein schwer durchschaubares Geflecht aus 171 Gruppen, die ein Ende der israelischen Besatzung und unter anderem den Boykott israelischer Waren fordern.

Der Tweet zitiert aus dem Schreiben der Wissenschaftler den Satz: "Der Beschluss der Parlamentarier hilft im Kampf gegen den Antisemitismus nicht weiter" - allerdings ohne die Anführungszeichen, weshalb der Satz als Meinungsäußerung des Museums verstanden wird. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist die Pressesprecherin des Museums mit sofortiger Wirkung freigestellt worden. Sie habe mit dem Tweet dem Gebot der Neutralität eines mit öffentlichen Geldern geförderten Museums zuwidergehandelt.

Um das Museum hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt politische Turbulenzen gegeben. Im Raum stand etwa der Vorwurf, es werde in einer Ausstellung über Jerusalem vor allem die palästinensische Haltung zu der umstrittenen Stadt dargestellt. Schäfer hatte seinen Vertrag als Direktor des Museums gerade erst um ein weiteres Jahr bis Oktober 2020 verlängert, um eine ruhige Suche eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin zu ermöglichen. Schäfers Museumsführung war auch im eigenen Haus umstritten.

Rassismus "Das Jüdische Museum scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein"

Streit um einen Tweet

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