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Vorwahlen der US-Demokraten:Biden hat Unterstützer, löst aber keine Begeisterung aus

Einer von ihnen ist Sojabauer Larry Miller. Seine Farm ist seit mehr als 120 Jahren in Familienbesitz, doch so schwierig wie in den vergangenen Monaten war die Lage schon lange nicht mehr. Wegen Trumps Handelskrieg gegen China hat er viele Kunden verloren. Trump unterstützte er - im Gegensatz zu vielen anderen Bauern - schon beim letzten Mal nicht, nun will er erst recht einen Demokraten wählen, bloß welchen? Sicher ist er sich nicht, aber er tendiert zu Biden. "Er ist gemäßigter als die anderen. Wir können nicht in einem Land leben, in dem wir allen alles schenken." Er meint damit zum Beispiel das Versprechen einiger Demokraten, den Zugang zu einer College-Ausbildung kostenlos zu machen. Die Demokraten müssten jemanden aufstellen, der auch für Unabhängige wählbar sei. Und das sei Biden.

Begeisterung löst Biden bei Miller allerdings keine aus - und nicht nur bei ihm nicht. Der 76-Jährige führt zwar die Umfragen in Iowa an. Doch die Stimmung unter den Leuten, die in diesen Tagen seine Wahlkampfveranstaltungen besuchen, ist eher verhalten. Anders bei den Auftritten seiner vielleicht größten Rivalin. Ein Hochzeitssaal in Council Bluffs, zwei Stunden außerhalb von Des Moines. Ein paar hundert Leute sind gekommen, um sich Elizabeth Warren anzuhören, die Senatorin aus Massachusetts. Der Empfang ist tosend, das Publikum begleitet ihre Rede mit Applaus und Zurufen. Warren erzählt, wie sie es trotz einer Jugend in ärmlichen Verhältnissen bis zur Harvard-Professorin schaffte - weil sozialer Aufstieg in Amerika früher einfacher möglich war. Heute funktioniere die Wirtschaft nur noch für die Reichsten.

"Sie hat recht", sagt Lorinda Johnson, die den Auftritt verfolgt hat. Die Rentnerin lebt in Nebraska und hatte ihren Mann überredet, sich mit ihr für einige Stunden ins Auto zu setzen, um Warren zu sehen. Warren sei unglaublich smart, sagt Johnson, und was sie über die Wirtschaft sage, habe Hand und Fuß. "Sie hat in ihrer Karriere bewiesen, dass sie auf der Seite der kleinen Leute steht." Sheila Ryan, Ausbilderin für Pflegepersonal, glaubt, dass Warren die nötige Energie habe, um gegen Trump auf einer Bühne zu bestehen: "Sie würde ihn auseinandernehmen." Ein gewisses Stehvermögen beweist Warren zumindest schon mal, indem sie sich nach der Ansprache Zeit nimmt, um sich mit einem Anhänger nach dem anderen für Fotos hinzustellen - es sind Dutzende.

"Wir brauchen einfach jemanden, der gegen Trump bestehen kann."

Lange Tage also für die Demokraten, auch für Kamala Harris, die in vielen Umfragen auf Platz 3 liegt. Anders als Warren war die Senatorin aus Kalifornien bisher noch nicht oft in Iowa unterwegs. Sie versucht nun, ihren Rückstand mit einer fünftägigen Bustour durch den Bundesstaat wettzumachen. An diesem Mittag hält ihr Bus im Ort Storm Lake, wo sie ein kleines mexikanisches Restaurant besucht. Harris, in Jeans und weißen Turnschuhen, begrüßt die Gäste an den Tischen, nimmt aufmunternde Worte entgegen und bestellt dann mit ein paar eingestreuten Brocken Spanisch Tacos - "ohne rohe Zwiebeln!". Anschließend geht Harris mit einer Lehrerin aus dem Ort zurück zum Bus, sie reden über den Klimawandel und über die öffentlichen Schulen, die mehr Geld brauchen. Dann steigt die Senatorin in den Bus, die Reporter hinterher, der Tross zieht weiter. In Storm Lake kehrt wieder Ruhe ein.

Beim Mexikaner sitzt immer noch Dan Loving, er war gekommen, um Harris persönlich zu sehen. "Wir sind hier in Iowa sehr privilegiert, was diese Besuche angeht", sagt der 60-Jährige. Loving wählt nicht immer demokratisch, aber was Trump angehe, sei der Fall klar: "Er muss weg." Also geht er mit System vor: "Ich schaue mir so viele Kandidaten an wie möglich und prüfe sie." Loving findet viele der Demokraten sympathisch, aber ganz überzeugt hat ihn noch niemand. Ob jemand deutlich links stehe oder eher in der Mitte, sei zweitrangig: "Wir brauchen einfach jemanden, der gegen Trump bestehen kann." Lange habe er geglaubt, dass dies Biden gelingen könne, inzwischen hat er Zweifel: "Er ist halt schon ziemlich alt." Also sucht Loving weiter. Sechs Monate bleiben bis zu den Vorwahlen - Zeit für viele Politikerbesuche in Iowa.

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