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Japanischer Atomberater tritt zurück:Tränen der Wut

Die japanische Regierung halte sich nicht an die Gesetze und rette sich lediglich mit Notlösungen über die Zeit. Die Vorwürfe wiegen schwer - schließlich äußert sie der Atomberater der Regierung. Unter Tränen trat der Professor jetzt zurück.

Aus Protest gegen seiner Ansicht nach zu hoch angesetzte Grenzwerte nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist ein Berater der japanischen Regierung zurückgetreten. Er könne es nicht vertreten, dass die Regierung den seiner Einschätzung nach unangemessenen Grenzwerte von 20 Millisievert pro Stunde für Grundschulen in der Nähe von Fukushima festgesetzt habe, erklärte Toshiso Kosak. Dieser Wert entspricht der Maximaldosis, der ein deutscher Atomkraftwerksmitarbeiter ausgesetzt sein darf.

Toshiso Kosako

Tränen der Wut: Aus Kritik am Vorgehen der japanischen Regierung trat Atomberater Toshiso Kosako von seinem Amt zurück.

(Foto: AP)

Die Regierung habe seinen Rat zum Umgang mit der Krise ignoriert und halte sich nicht an geltende Gesetze, sagte der Professor bei einer Pressekonferenz unter Tränen. Sein Eindruck sei, dass die Regierung sich lediglich mit Notlösungen und Provisorien über die Zeit rette, anstatt eine wirkliche Lösung für die Atomkrise zu suchen. Die Entscheidungsprozesse seien zudem unklar, viele Maßnahmen im Umgang mit der Katastrophe seien nicht gesetzeskonform.

Der Professor für atomare Strahlung an der Universität Tokio war im März von Ministerpräsident Naoto Kan als Berater ernannt worden. Regierungsberater genießen in Japan großen Respekt und es kommt äußerst selten vor, dass Wissenschaftler ihren Beraterposten aus Protest gegen die Regierungspolitik räumen.

"Ich kann das als Wissenschaftler nicht zulassen", sagte Kosako während einer tränenreichen Pressekonferenz. "Es erscheint mir, als ziele die Reaktion der Regierung lediglich darauf ab, sich Zeit zu verschaffen."

Ministerpräsident Kan verteidigte hingegen das Krisenmanagement seiner Regierung. "Wir begrüßen unterschiedliche Sichtweisen unter unseren Beratern", sagte er am Samstag im Parlament.

Unterdessen versammelten sich am Samstag rund 450 Demonstranten im Yoyogi Park in Tokio. Sie schlugen Trommeln und skandierten Parolen gegen die Atomkraft. "Elektrizität in Tokio - Opfer in Fukushima" war auf einem Transparent zu lesen. "Ich wusste immer, dass Atomkraft gefährlich ist", sagte eine der Demonstrantinnen, Yoshiko Nakamura. "Das ist eine gute Möglichkeit, meine Ängste zu äußern."

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