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Nahost:Sudan normalisiert Beziehungen zu Israel

US-Präsident Trump in Telefonkonferenz mit Israel und dem Sudan

US-Präsident Trump bei einer Telefonkonferenz mit den Regierungschefs von Israel und dem Sudan. Hinter ihm (von links nach rechts) applaudieren Außenminister Mike Pompeo, Jared Kushner, Schwiegersohn und Berater Trumps, und Robert O'Brien, Nationaler Sicherheitsberater.

(Foto: dpa)

Damit geht innerhalb kurzer Zeit das dritte arabische Land diesen Schritt. US-Präsident Trump hatte darauf gedrungen.

Von Peter Münch, Tel Aviv

US-Präsident Donald Trump hat am Freitag die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und dem Sudan angekündigt. Der Sudan ist damit das dritte arabische Land nach den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain, das diplomatische Beziehungen zum jahrzehntelang abgelehnten und bekämpften jüdischen Staat aufnimmt. Vereinbart wurde dies bei einem gemeinsamen Telefongespräch zwischen Trump, dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu sowie den zivilen und militärischen Führern der sudanesischen Übergangsregierung, Premierminister Abdalla Hamdok und General Abdel Fattah al-Burhahn.

Trump ließ während des Gesprächs Reporter ins Oval Office und erklärte feierlich, "der Staat Israel und die Republik Sudan haben zugestimmt, Frieden zu schließen". Trump verbindet damit die Hoffnung, dass sich ein weiterer diplomatischer Erfolg im Nahen Osten bei der anstehenden Präsidentenwahl am 3. November für ihn auszahlen könnte.

Die Ankündigung erfolgte, nachdem Trump zuvor ein Papier unterzeichnet hatte, mit dem der Sudan von der Terrorliste des USA gestrichen werden soll. Darüber muss der US-Kongress nun in den nächsten 45 Tagen entscheiden. Mit diesem Zugeständnis hatte Washington bereits seit einiger Zeit versucht, den Sudan zur Aufnahme von Beziehungen mit Israel zu drängen.

Der Sudan verfügt zwar nicht über den politischen Einfluss, den Reichtum und die wirtschaftlichen Ressourcen wie die VAE und das kleinere Bahrain. Doch die Öffnung in Richtung Israel ist von besonderer symbolischer Bedeutung, weil die sudanesische Hauptstadt Khartum der Ort war, an dem die Arabische Liga 1967 ihre Feindschaft zum jüdischen Staat mit den legendären "drei Neins" quasi in Stein gemeißelt hatte: Nein zum Frieden mit Israel, Nein zur Anerkennung und Nein zu Verhandlungen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach deshalb von einem "gewaltigen Umbruch". "Wir verkünden heute noch einen dramatischen Durchbruch in Richtung Frieden, mit noch einem arabischen Land, das sich dem Kreis des Friedens anschließt - diesmal mit dem Sudan", sagte Netanjahu am Freitagabend in einer Videobotschaft. Netanjahu erinnerte an das dreifache Nein der Arabischen Liga bei der Konferenz in Khartum nach dem Sechstagekrieg 1967: Heute sage Khartum dagegen "Ja zu einem Frieden mit Israel, Ja zu einer Anerkennung Israels und Ja zu einer Normalisierung mit Israel", so Netanjahu. Netanjahu sprach von einer neuen Ära des Friedens. In Kürze würden sich Delegationen beider Länder treffen, um über Zusammenarbeit in vielen Bereichen zu sprechen, darunter Landwirtschaft und Handel. "Der Himmel über dem Sudan ist heute offen für Israel", sagte Netanjahu. Dies werde auch Flüge von Israel nach Afrika verkürzen.

Signale der Annäherung hatte es seit Längerem gegeben. Im Februar hatten sich Netanjahu und Burhan in Uganda getroffen. In dieser Woche war eine israelisch-amerikanische Delegation zu Geheimgesprächen in Khartum.

Die sudanesische Führung sprach am Freitag von einem "historischen Tag für Sudan und seine glorreiche Revolution. Sudan ist auf einem fragilen Pfad in Richtung Demokratie, nachdem im vorigen Jahr der langjährige autokratische Herrscher Omar al-Bashir gestürzt worden war. Eine Zeremonie zur Unterzeichnung des Abkommens zwischen Sudan und Israel wird noch vor der US-Präsidentenwahl, erwartet.

© SZ/kit
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