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Reuven Rivlin:Israels Präsident bestimmt über Netanjahus Schicksal

Reuven Rivlin, Israel

Trotz rechter Positionen wird Israels Präsident Reuven Rivlin auch von politischen Gegnern geschätzt.

(Foto: AP)

Der großväterlich auftretende Rivlin hat Premier Netanjahu mehrfach kritisiert - und wurde im Gegenzug von diesem in seiner Karriere behindert. Nun dürfte Rivlins Haltung entscheidend werden.

Jetzt hätte Israels Präsident Reuven Rivlin die Gelegenheit, es Benjamin Netanjahu heimzuzahlen. Der Premierminister hat alles getan, um die Karriere seines Parteifreundes vom rechtsnationalen Likud zu behindern. Er hat versucht, dessen Wiederwahl als Knesset-Sprecher, also Parlamentspräsident, zu hintertreiben. Als es um die Nachfolge im Präsidentenamt von Schimon Peres ging, suchte Netanjahu nach Alternativen und wollte die Wahl verzögern. Netanjahu schlug sogar vor, das Amt ganz abzuschaffen.

Rivlin hatte es immer wieder gewagt, Netanjahus Führungsstil zu kritisieren. 2010 erklärte er, Netanjahu meine, er könne sich alles erlauben und seine Positionen einfach durchsetzen. "Aber das beschädigt die Demokratie." Rivlins Eintreten für Minderheitenrechte, für arabische Abgeordnete in der Knesset und die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen in Israel hat dem Juristen über Parteigrenzen hinweg Respekt verschafft. 25 Jahre lang gehörte er dem Parlament an, als dessen Präsident war sein Credo: "Jeder soll das Recht haben, seine Meinung zu äußern, auch wenn mich das Gesagte schmerzt."

So wählten ihn 2014 auch Abgeordnete linker Parteien zum Präsidenten für eine siebenjährige Amtszeit. Dabei vertritt Rivlin auch politisch rechte Positionen: Er war 2005 gegen die Räumung der Siedlungen im Gazastreifen. Er lehnt die Zweistaatenlösung und eine Teilung seiner Geburtsstadt Jerusalem ab. Rivlin tritt für das Zusammenleben von Juden und Palästinensern in einem Staat ein.

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Gantz kommt damit zwar auf mehr Unterstützer als Ministerpräsident Benjamin Netanjahu - doch beiden fehlt eine Mehrheit zur Regierungsbildung.

Als Präsident beging er nicht den Fehler, den weltgewandten Vorgänger Peres zu imitieren und viel auf Reisen zu gehen. Er tritt eher großväterlich auf und erzählt gerne Witze. Das macht ihn beliebt bei den meisten Israelis. Auch als Präsident wohnt er in seiner Vierzimmerwohnung in Jerusalem statt in der Residenz. Sein Nachbar ist übrigens Benny Begin, der Sohn des früheren Präsidenten Menachem Begin, der nach Kontroversen mit Netanjahu nicht mehr als Likud-Abgeordneter kandidierte.

Mit ihrer Bescheidenheit wirkten Reuven Rivlin und seine Frau Nechama wie ein Gegenmodell zu Sara und Benjamin Netanjahu, dem unter anderem wegen der Annahme von teuren Geschenken ein Korruptionsprozess droht. Im Juni starb Rivlins Frau Nechama, die zuletzt nur noch mit Sauerstoffschlauch auftreten konnte - ein schwerer Schlag für den Präsidenten, der Anfang September 80 Jahre alt wurde.

Zu Beginn der Amtszeit veröffentlichte Nechama eine rührende Liebeserklärung an Rubi, wie er allseits genannt wird: Sie habe keinen Präsidenten geheiratet, sondern einen Mann, mit dem sie vier Kinder bekommen habe. "Ich liebe es zu sehen, wie Du Fußball schaust, gute Musik hörst oder einen Western anschaust. Ich mag es, dass Du Hausmannskost und israelisches Bier magst. Und besonders mag ich es, wenn Du in einem Buch eine spannende Stelle entdeckt hast und mir zurufst, dass ich mir das anhören muss."

Bereits sein Vater Josef hatte versuchte, Präsident zu werden. Er studierte in Frankfurt am Main Arabistik und Islamwissenschaft, ehe er nach Jerusalem zurückkehrte, die "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht" ins Hebräische übersetzte und Professor für Nahoststudien an der Hebräischen Universität wurde. Sohn Reuven spricht auch Arabisch und verteidigte wiederholt die arabische Minderheit, die Netanjahu im Wahlkampf mit rassistischen Attacken überzog.

Nun liegt Netanjahus Schicksal in Rivlins Hand. Es wird erwartet, dass der Präsident nach dem Wahlsieg des Oppositionsbündnisses Blau-Weiß dessen Spitzenkandidaten Benny Gantz in dieser Woche den Regierungsbildungsauftrag erteilt. Netanjahu soll bereits vorgefühlt haben, ob ihn der Präsident zumindest begnadigen würde, sollte er in einem der drohenden Korruptionsprozesse verurteilt werden.

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