Politischer Wandel:Israel steht vor einer Zäsur

Israel: Demonstranten in Tel Aviv protestieren gegen Benjamin Netanjahu

Diese Demonstranten in Tel Aviv - einer mit einer Netanjahu-Maske - hoffen darauf, dass es der Opposition in Israel gelingen wird, den bisherigen Premier aus dem Amt zu befördern.

(Foto: JACK GUEZ/AFP)

Eine bunte Koalition will Premier Netanjahu ablösen. Zugleich wird über die Nachfolge von Staatsoberhaupt Rivlin abgestimmt. Der frühere Chef der linken Arbeitspartei gilt als Favorit.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Israel steht an diesem Mittwoch vor entscheidenden politischen Weichenstellungen. Zum einen müssen bis Mitternacht die Verhandlungen über eine neue Regierung abgeschlossen sein, mit der ein Bündnis aus rechten, linken und Zentrumsparteien den seit zwölf Jahren ununterbrochen amtierenden Premierminister Benjamin Netanjahu ablösen will. Zum anderen steht in der Knesset die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts auf dem Programm. Für die Nachfolge von Präsident Reuven Rivlin stehen den 120 Parlamentariern zwei Kandidaten zur Wahl: der frühere Chef der linken Arbeitspartei, Isaac Herzog, und die politisch bislang kaum in Erscheinung getretene Miriam Peretz.

Der 60-jährige Herzog geht als Favorit ins Rennen. Die Wahl ist geheim, doch er wird von einzelnen Abgeordneten quer durch die politischen Lager unterstützt. Bereit sein Vater Chaim Herzog hatte von 1983 bis 1993 das Präsidentenamt inne. Isaac Herzog kann auf eine langjährige politische Karriere inklusive mehrerer Ministerposten verweisen. Seit 2018 ist er Chef der Jewish Agency, die für die Einwanderung aus der jüdischen Diaspora nach Israel verantwortlich zeichnet.

Die Lehrerin Miriam Peretz, 67, ist in Israel vor allem als Rednerin bekannt. Ihre Themen sind neben der Liebe zum Land vor allem die Trauer und der Umgang mit Verlust. Zwei ihrer Söhne sind als Soldaten gefallen. Der eine wurde 1998 bei Kämpfen in Libanon getötet, der andere 2010 im Grenzgebiet zum Gazastreifen. In den vergangenen Jahren hat sie darüber vor allem vor Jugendlichen und Soldaten gesprochen. Für ihr Lebenswerk wurde ihr 2018 der Israel-Preis verliehen, die höchste Kulturauszeichnung des Landes. In der Bevölkerung genießt sie großes Ansehen. Bei der Abstimmung im Parlament wird sie als Siedlerin vor allem von rechten Abgeordneten unterstützt.

Der am 9. Juli aus dem Amt scheidende Präsident Reuven Rivlin geht als Rekordhalter in Rente: Er hatte in seiner siebenjährigen Amtszeit die Regierungsbildung nach insgesamt fünf Parlamentswahlen zu überwachen.

© SZ/nien
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB