Israel Der Ex-Premier will es nochmal wissen

Ehud Barak will "unter keinen Umständen" einer Netanjahu-Regierung angehören.

(Foto: AFP)

Ehud Barak hat der Politik schon zweimal den Rücken gekehrt. Nun kommt er erneut zurück und fordert Netanjahu heraus. Er hat ihn schon mal geschlagen.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Mit großer Lust wirft er sich ins Getümmel: "Bibi, ich kenne dich gut. Nimm einen tiefen Atemzug. Langsam. Wir haben erst begonnen", rät Ehud Barak Benjamin Netanjahu, genannt Bibi. Israels Premierminister hatte sich auf Twitter darüber lustig gemacht, dass der 77-Jährige noch einmal eine Runde in der Öffentlichkeit drehen wolle. Seit Barak vergangene Woche die Gründung einer noch namenlosen Partei angekündigt hat, mischt er die Politik in Israel auf. Er gibt fast jeden Tag eine Pressekonferenz, verkündet Neuzugänge und politische Positionen.

Barak verleiht dem bisher dahindümpelnden Wahlkampf Spannung. Denn Barak hat Netanjahu schon einmal geschlagen, das war 1999. Der Politiker des rechtsnationalen Likud musste dann zehn Jahre warten, ehe er wieder an die Regierungsmacht kam. Barak versuchte in seinen drei Jahren als Ministerpräsident, den Friedensprozess mit den Palästinensern wieder in Gang zu bringen - vergeblich.

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Diesmal geht er nicht für die Arbeitspartei Awoda ins Rennen, er will ein breites Parteienbündnis anführen. Seine Ankündigung, wieder in die Politik zurückzukehren, löste bei der bisher größten Oppositionspartei Blau-Weiß Nervosität aus. Denn bisher galt ihr Vorsitzender Benny Gantz als aussichtsreichster Herausforderer des Premierministers. Blau-Weiß war bei der Wahl im April auf ebenso viele Sitze wie Netanjahus Likud gekommen. Um zu verhindern, dass Gantz den Auftrag zur Regierungsbildung erhält, setzte Netanjahu Neuwahlen für den 17. September durch, nachdem er selbst daran gescheitert war, eine Koalition zu bilden.

Funktionäre und Aktivisten wechseln zu Barak

Nach Ansicht der linksliberalen Zeitung Haaretz hat Barak bessere Chancen als der zurückhaltend auftretende Gantz: Dieser habe die nötige "Energie, Aggression und Bosheit", um es mit Netanjahu aufzunehmen. Barak setzt nun alles daran, das Mitte-links-Lager unter seiner Führung zu vereinen. Tritt er mit eigener Partei an, wird er sowohl seiner ehemaligen Partei, der Awoda, als auch der im Zentrum angesiedelten Partei Blau-Weiß Stimmen wegnehmen. Es wechseln immer mehr ihrer Funktionäre und Aktivisten an seine Seite. Prominentester Neuzugang unter seinen Mitstreitern ist Noa Rothman, die Enkeltochter des 1995 ermordeten Premierministers Jitzchak Rabin. Die Anwältin tritt jedes Jahr bei der Gedenkfeier auf und übte dort zuletzt scharfe Kritik an Netanjahu. Ex-Vize-Generalstabschef Yair Golan schloss sich ihm ebenfalls an. Barak war Generalstabschef - eine Position, die in Israel als Sprungbrett in die Politik gilt. Barak war 35 Jahre beim Militär und der am häufigsten ausgezeichnete Soldat des Landes.

Nach seiner Niederlage 2001 gegen Ariel Scharon zog Barak sich zurück, er hielt es ohne Politik aber nicht aus. 2007 wurde er erneut zum Chef der Awoda gewählt und übernahm das Verteidigungsressort von Amir Peretz, der gerade neuer Vorsitzender der Arbeitspartei geworden ist. Barak blieb bis 2013 Verteidigungsminister - die letzten vier Jahre in einer von Netanjahu geführten Regierung.

2011 kam es zum Bruch mit der Arbeitspartei, weil Barak gegen den Widerstand von Mitgliedern und Funktionären in dieser Koalition bleiben wollte. Damals gründete er eine Partei mit dem Namen Unabhängigkeit, vier der zwölf Abgeordneten der Arbeitspartei folgten ihm. Diesmal, so versichert Barak, werde er "unter keinen Umständen" einer Regierung angehören, an der Netanjahu beteiligt ist. Er verwies auf die Anklagen in drei Korruptionsfällen, die Netanjahu drohen.

Nach seinem neuerlichen Ausstieg aus der Politik 2013 begann Barak eine Karriere als Geschäftsmann. In den vergangenen Jahren stieg er ins boomende Geschäft mit medizinischem Cannabis ein. Seine Chefpositionen bei den Firmen Intercure und Canndoc behält der in zweiter Ehe verheiratete Vater dreier Töchter sicherheitshalber, sollte es mit dem politischen Comeback nicht wunschgemäß klappen.

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