Irans Präsident in Frankreich Roter Teppich zum Staatsbesuch - aber kein roter Wein

Vor dem Besuch des iranischen Präsidenten in Paris ist die Stimmung getrübt. Der Muslim Rohani will keinen Wein zum Essen akzeptieren - ein Alternativangebot erscheint ihm angeblich zu "billig".

Sie haben es hinbekommen, einen historischen Atomdeal mit Iran auszuhandeln. Amerikaner, Russen, Briten, Deutsche - und auch Franzosen. Gerade einmal vier Monate ist es her, dass die Gespräche erfolgreich abgeschlossen wurden.

Nun soll Hassan Rohani nach Europa reisen, als erster iranischer Präsident seit zehn Jahren. Iran hofft auf ein baldiges Ende der Wirtschaftssanktionen. Ebenso wie viele europäische Unternehmen, die gerne in dem weitgehend isolierten Land investieren möchten.

Für Anfang kommender Woche steht auch ein Besuch Rohanis bei Frankreichs Staatschef François Hollande auf dem Programm. Doch es gibt offensichtlich Ärger. Und es geht dabei nicht um das Atomabkommen, nicht um die islamistischen Terroranschläge in Frankreich zu Beginn des Jahres - und auch nicht um die antiislamischen Hetzparolen der Politiker des rechten Front National.

Es geht ums Essen!

Es geht ums Essen, genauer um das Getränk, das zum "dîner" im Élysée-Palast serviert werden sollte. Dort gibt es bei Staatsbesuchen stets Wein. Doch das will der Muslim Rohani einem Bericht des französischen Radiosenders RTL zufolge nicht akzeptieren. Die Franzosen sind demnach ihrerseits nicht dazu bereit, auf ihre republikanischen Traditionen zu verzichten.

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Stur trifft auf stur - Islamische Republik auf laizistische Republik. Die Gastgeber versuchten es mit einer Einladung zum Frühstück, das im Französischen unglücklicherweise auch noch "petit-déjeuner" heißt - und im Deutschen wörtlich übersetzt: kleines Mittagessen. Ob dies auch der iranischen Seite bewusst war, ist nicht bekannt. Laut RTL fiel die Antwort aber eindeutig aus. Das sei dann doch ein bisschen zu "billig", hieß es.

Nun soll es am kommenden Dienstag zwar keinen Rotwein, immerhin aber einen roten Teppich für Rohanis Besuch geben - und ein zweistündiges Gespräch zwischen den beiden Männern. Wenigstens dann soll es um wirklich wichtige Themen gehen: den Terrorismus und den Krieg in Syrien.

Schon am Wochenende trifft Rohani übrigens auf Papst Franziskus. Ob der Vatikan wohl auch Wein auffahren will? Im Christentum hat er immerhin eine große liturgische Bedeutung.