Atomverhandlungen mit Iran:Anbruch einer neuen Realität

Avi Primor

Avi Primor, 80, war von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Mehrheit der Israelis hält die Vereinbarung mit Iran für einen Fehler. Dabei birgt sie große Chancen für das Land.

Gastbeitrag von Avi Primor

Iran ist ein tödlicher Feind Israels. Mit der Absicht, Israel zu vernichten, strebt das Land aus ideologischen Gründen nach Atomwaffen. So sieht die offizielle Haltung der israelischen Regierung aus. Die Ideologen, also die Geistlichen, beherrschen das Land und haben bereits 2009 mit der blutigen Niederschlagung eines Volksaufstandes ihrem eigenen Volk und der gesamten Welt bewiesen, dass sie zu allem bereit sind, für ihre Ideologie und für die Sicherung ihrer Macht. Grundlage dieser Ideologie ist, wie man Massenveranstaltungen in Iran entnehmen kann, "Tod den Vereinigten Staaten" und "Vernichtung Israels".

Warum gilt Israel den Ideologen Irans als Erzfeind? Wenn man den durchschnittlichen Israeli oder die israelische Regierung fragt, so gründet die Feindschaft Irans gegenüber Israel auf Rassismus und Religion. Die Israelis können das auch nicht anders verstehen, weil Iran bis zur Machtergreifung der Ayatollahs 1979 einer der engsten und wichtigsten Partner Israels war.

Israel arbeitete eng mit Iran zusammen - auch auf dem Gebiet der Atomenergie

Ebenso wie die Türkei ist Iran ein islamisches, aber kein arabisches Land; es stand im Lauf der Geschichte oft gegen die arabische Welt. Iran noch öfter als die Türkei, weil die Iraner in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht nur nicht arabisch sind, sondern weil sie als Schiiten auch innerhalb der muslimischen Welt in der Minderheit stehen.

Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei auf der einen und Iran auf der anderen Seite waren fast von Beginn an in der Sache tief gehend, offiziell aber ein wenig verschleiert. Mit Teheran gab es zwar keine offiziellen Beziehungen, aber die Zusammenarbeit war eng, und allen war klar, dass ein nicht markiertes Haus in der iranischen Hauptstadt als inoffizielle Botschaft Israels diente. Diese Botschaft, obwohl sie offiziell nicht so hieß, arbeitete auf fast allen Gebieten eng mit Regierung und Wirtschaft zusammen, einschließlich auf dem Gebiet der Atomenergie. Der Schah, der ebenso wie Israel die arabische Welt fürchtete, wünschte sich Schutz durch Atomwaffen und konnte, auch auf ideologischer Ebene, kaum einen besseren Partner als Israel finden.

Seit 1979 gilt Israel aus religiösen Gründen als Erzfeind Irans, die offizielle Propaganda der Religiösen strebt die Zerstörung Israels an. Israel hat diese Drohungen immer sehr ernst genommen. Unter anderem berichteten die Weltmedien, dass Israel sich mithilfe Deutschlands eine eindrucksvolle U-Boot Staffel aufgebaut hat, deren Atomsprengköpfe gen Iran gerichtet sind und ihn jederzeit erreichen können. Sollte Iran Israel angreifen wollen, so müsste er damit rechnen, dass seine Bomben immer auch die arabischen Nachbarn treffen werden und dass dies, auch im Falle einer völligen Zerstörung Israels, Vergeltungsschläge nach sich ziehen würde.

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