Iranischer Präsident:Rohani schlägt Gefangenenaustausch mit USA vor

Hassan Rohani, Präsident des Iran

Hat einen Gefangenenaustausch mit den USA vorgeschlagen: der iranische Präsident Hassan Rohani

(Foto: Keith Bedford/Reuters)
  • Irans Präsident Hassan Rohani will mit den USA über einen Gefangenenaustausch verhandeln.
  • Sollten die USA inhaftierte Iraner freilassen, werde Teheran alle im Iran inhaftierten US-Bürger "schnellstens" freilassen, sagte Rohani in einem Interview mit einem US-Sender.
  • US-Außenminister John Kerry reagierte zurückhaltend.

Rohani will sich für Freilassung von US-Häftlingen einsetzen

Der iranische Präsident Hassan Rohani hat den USA einen Gefangenenaustausch angeboten. Wenn die USA dort inhaftierte Iraner freiließen, werde er alles in seiner Macht Stehende tun, um eine schnelle Freilassung der US-Häftlinge im Iran zu bewirken, sagte Rohani in einem am Sonntag ausgestrahlten CNN-Interview. In Iran ist unter anderem Washington-Post-Korrespondent Jason Rezaian inhaftiert.

Rohani sagte im Interview mit Blick auf 19 in den USA inhaftierte Iraner: "Wenn die Amerikaner angemessene Schritte ergreifen und sie freilassen, werden damit sicherlich das richtige Umfeld und die richtigen Umstände für uns geschaffen, alles in unserer Macht und unserem Zuständigkeitsbereich Stehende zu tun und, um schnellstmöglich auch Freiheit für die in Iran gefangengehaltenen Amerikaner zu erwirken" und fügte an: "Nichts würde mich glücklicher machen."

Die USA hatten wiederholt die Freilassung ihrer Bürger aus iranischen Gefängnissen ohne Vorbedingungen gefordert. Im iranische Justizapparat gelten die Hardliner als einflussreich, die den Kurs des gemäßigten Präsidenten Rohani einer Annäherung an den Westen torpedieren.

Kerry: "Müssen abwarten"

US-Außenminister John Kerry reagierte zurückhaltend auf den Vorstoß Rohanis. Er bestätigte, dass mit Teheran über einen Gefangenenaustausch gesprochen worden sei. "Wir hatten einige Gespräche, aber wir werden abwarten und schauen, wo wir stehen", sagte er auf Nachfrage von Reportern in New York. Bislang habe er dazu noch nichts direkt von den Iranern gehört.

In Iran sind derzeit mindestens drei US-Bürger in Haft, darunter Rezaian. Der Journalist und seine iranische Frau Yeganeh Salehi waren im Juli 2014 in ihrem Haus in Teheran festgenommen worden. Rezaian werden Spionage und Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen zur Last gelegt. Salehi, die ebenfalls Journalistin ist, wurde im Oktober vergangenen Jahres gegen Kaution freigelassen. Der weiterhin inhaftierte Rezaian besitzt die iranische und die US-Staatsbürgerschaft. Teheran erkennt doppelte Staatsbürgerschaften aber nicht an und bezeichnet das Verfahren daher als rein iranische Angelegenheit.

Früherer FBI-Agent seit 2007 vermisst

Auch zwei weitere iranischstämmige US-Bürger, der zum Christentum konvertierte Saeed Abedini und der ehemalige US-Soldat Amir Hekmati, befinden sich in iranischer Haft. Der frühere FBI-Agent Robert Levinson wird seit einem Iran-Aufenthalt im Jahr 2007 vermisst, sein Verbleib ist unklar.

Die 19 Iraner in US-Gefängnissen wurden wegen Verstößen gegen die Sanktionen gegen die Islamische Republik inhaftiert.

Seit Rohanis Amtsantritt vor zwei Jahren hat sich das Verhältnis zwischen Iran und dem Westen verbessert. Im Juli schloss Teheran mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland ein Atomabkommen. Es soll Iran die friedliche Nutzung der Atomtechnologie erlauben und zugleich mit Kontrollen und der Einschränkung seiner Urananreicherung sicherstellen, dass er keine Atomwaffen produziert. Im Gegenzug sollen die in dem Streit verhängten Sanktionen aufgehoben werden, die Irans Wirtschaft seit Jahren massiv belasten. Die USA und Iran unterhalten allerdings weiterhin keine diplomatischen Beziehungen.

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