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Krise im Nahen Osten:Irans Angriff könnte die Lage beruhigen

Iran: Bildnis von Ali Khamenei mit Raketen in Teheran

Raketen und ein Bildnis von Religionsführer Chamenei sind auf diesem Archivbild aus Teheran zu sehen.

(Foto: Nazanin Tabatabaee Yazdi/TIMA via REUTERS)

Die Revolutionsgarden haben die rote Linie von US-Präsident Trump mit ihren Raketen offenbar nicht überschritten. Trotzdem besteht die Gefahr des großen Knalls weiter.

Mehr als 20 ballistische Raketen sind in der Nacht auf Mittwoch auf zwei von den USA genutzten Militärstützpunkten im Irak eingeschlagen. Abgefeuert hatten sie die iranischen Revolutionsgarden vom Territorium der Islamischen Republik aus. Das ist zunächst eine weitere Eskalation der ohnehin angespannten Lage. Doch wenn alle Seiten einen kühlen Kopf bewahren und sich die US-Regierung wie die iranische Führung tatsächlich ihren Aussagen verpflichtet fühlen, einen Krieg vermeiden zu wollen, kann dieser Angriff der Beginn für eine Stabilisierung der Lage sein. Dafür spricht, dass es den fundamentalen Interessen Irans ebenso wie der USA entspricht, es nicht auf einen unbegrenzten, offenen Konflikt ankommen zu lassen.

Die Attacke erfüllt die Kriterien, die Irans Regime unter dem Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei aufgestellt hatte für die Vergeltung des tödlichen Drohnenangriffs der USA auf General Qassim Soleimani, den wichtigsten Mann des iranischen Sicherheitsapparates. Ein militärischer Angriff auf ein militärisches Ziel sollte es sein, offen ausgeführt von den iranischen Streitkräften. Außenminister Mohammad Dschawad Sarif erklärte, die Raketenattacke sei die gerechtfertigte Antwort Irans gewesen - wichtiger aber: Sie sei damit abgeschlossen.

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Zugleich haben die Revolutionsgarden die rote Linie von US-Präsident Donald Trump offenbar nicht überschritten, ob bewusst so geplant oder ungewollt: Wie Trump im Weißen Haus sagte, sind keine US-Soldaten ums Leben gekommen - auch wenn iranische Medien von 80 toten Amerikanern berichten. Trump hat signalisiert, dass er die Sache damit auf sich beruhen lässt. Der Verzicht auf einen weiteren militärischen Schlagabtausch bannt zunächst die akute Gefahr, dass der sich seit Monaten aufschaukelnde Konflikt außer Kontrolle gerät und vollends zum offenen Krieg eskaliert.

Allerdings ist es nicht so, dass die den Spannungen zugrunde liegenden Interessensgegensätze zwischen Iran und den USA damit beigelegt wären. Chamenei hat die Angriffe als "lediglich einen Schlag ins Gesicht der Amerikaner" bezeichnet. Die militärische Konfrontation allein sei nicht ausreichend, die USA müssten jetzt endgültig aus der Region vertrieben werden. Dazu wird Iran jedes verfügbare Mittel nutzen: politischen Druck auf die Regierung im Irak und andere Länder, die US-Truppen beherbergen - aber auch die bisher schon verfolgte Strategie militärischer Nadelstiche, sei es durch die Revolutionsgarden selbst oder durch von ihnen gesteuerte Handlanger, schiitische Milizen zum Beispiel. Iran wird alles tun, was die politischen und finanziellen Kosten der USA und ihrer Verbündeten in die Höhe treibt.

Man braucht schon sehr großen Optimismus sich vorzustellen, wie es in der gegenwärtigen Situation zu einem neuen Deal zwischen Amerika und Iran kommen könnte, den Trump nun wieder ins Spiel gebracht hat. Direkte Verhandlungen schließt sein Widersacher Chamenei aus - das gilt zumindest solange, wie nicht klar ist, ob Trump wiedergewählt wird oder jemand anderes ins Weiße Haus einzieht. Das heißt aber auch, dass nach wie vor die Gefahr besteht, dass es doch zum großen Knall kommt. Die Europäer, Russland, China und die Staaten in der Region müssen weiter mit größtem Nachdruck ihren Einfluss geltend machen, um die Krise einzudämmen.

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