Holocaust-Gedenktag: Sinti und Roma:Klare Worte in Richtung Budapest

Es ist unüblich, Reden wie diese durch Applaus zu unterbrechen. An einer Stelle aber gibt es spontanen Beifall. Ein Beifall, der ihm hoffentlich signalisieren soll, dass verstanden worden ist, was er zu sagen hatte.

Es geht ihm um die Stellung von Sinti und Roma, "meinem Volk", im heutigen Europa. Er berichtet, wie "menschenunwürdig" Sinti und Roma in vielen ost- und südosteuropäischen Ländern wie Rumänien und Bulgarien behandelt werden. Seine Landsleute seien dort ohne Chancen, ohne Arbeit, ohne Ausbildung "ohne ordentliche medizinische Versorgung". "Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung sind an der Tagesordnung."

In Ungarn zögen Rechtsextremisten wieder "in schwarzer Kluft umher und schikanieren und überfallen Juden, Sinti und Roma. Neonazis haben Roma ermordet, darunter einen fünfjährigen Jungen. Es gibt in Gaststätten und Restaurants wieder Schilder mit der Aufschrift 'Für Zigeuner verboten'".

Auch in Westeuropa - in Italien, in Frankreich - werden Sinti und Roma wieder "diskriminiert, ausgegrenzt". Sie leben dort unter "menschenunwürdigen Umständen in Ghettos". Sie werden wieder des Landes verwiesen und in das Herkunftsland abgeschoben.

Dann sagt er einen Satz, der Angst machen muss angesichts seines Lebens: "Die Geschichte wiederholt sich."

Weisz greift die Bundesregierung nicht direkt an, weil zuwenig dagegen unternommen wird. Es reicht, darauf hinzuweisen, dass es bisher allein die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission war, Viviane Reding, die "mit deutlichen Worten gegen diesen nicht hinnehmbaren Zustand Stellung bezogen" hat.

Es klingt wie ein Appell an Kanzlerin Angela Merkel, die ihm direkt gegenübersitzt, wenn er sagt: "Ich hoffe, dass man die betreffenden Regierungen darauf auch weiterhin ansprechen wird. Wir sind doch Europäer und müssen dieselben Rechte wie jeder andere Einwohner haben, mit gleichen Chancen, wie sie für jeden Europäer gelten."

Hier endlich der Applaus. So deutlich wie Weisz hatte nicht einmal der für klare Worte bekannte Norbert Lammert in seiner Eröffnungsrede beschrieben, was derzeit in Italien, Frankreich, Rumänien, Ungarn und Bulgarien geschieht und eine deutlichere Positionierung der Bundesregierung gefordert.

Weisz tritt etwas größer, aufrechter von seinem Pult zurück als er daran herangetreten war. Er hat eine schwere Aufgabe erfüllt. Als Vertreter der Sinti und Roma hat er hier gesprochen. Aber auch als Bürger Europas. Wer ihn gehört hat, wird von nun an anders über sein Volk denken.

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