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Hans Rosling:Missionar des gesunden Menschenverstandes

Der Aufstieg Hans Roslings zum universalen Volkspädagogen ist eng gebunden an eine Form der Präsentation, die er vor gut zehn Jahren für seine Auftritte bei Ted-Konferenzen entwickelte - dem alljährlich in Vancouver stattfindenden Jahrmarkt für mehr oder minder spektakuläre Einfälle ("ideas worth spreading"), bei dem jeder Vortrag auf eine Länge von 18 Minuten begrenzt ist und so unterhaltsam wie möglich sein soll. Auf einer Konferenz beendete er in diesem Sinne seine Rede mit einem Auftritt als Schwertschlucker.

Die Präsentationsweise wie auch die von ihm benutzten Techniken der Beschaffung und Interpretation von Daten entwickelte er anschließend weiter, bis hin zu einem selbständigen Format, wofür er im Jahr 2005 zusammen mit Sohn und Schwiegertochter die Stiftung "Gapminder" gründete. Dort, auf der Internet-Seite dieser Organisation, sind seine Botschaften und ihre Begründung nun am leichtesten abzurufen - wobei keinem Betrachter entgehen kann, dass hier ein Missionar des gesunden Menschenverstands am Werke ist.

Flüchtlingskrise in Europa? Gibt es nicht

Denn politisch sind Hans Roslings Ansichten nicht, auch wenn sie manchmal so wirken. Denn selbstverständlich hatte das dänische Fernsehen den Volkspädagogen auch eingeladen, weil den Redakteuren an einer Gegenstimme zu den Nachrichten von Flucht und Verdammnis gelegen war, die aus dem kleinen Land im Norden in den vergangenen Jahren eine Festung des nationalen Gemeinsinns werden ließen.

Das Elend der Welt bestehe in Vorurteilen, erklärte Hans Rosling erwartungsgemäß, und leider sähen die meisten Medien ihre Aufgabe darin, die Ressentiments zu verbreiten. Was man dagegen brauche, seien eine gute Schulbildung und verlässliche Informationen. In Dänemark verstand man wohl, dass Hans Rosling mit diesem Satz auch die Rechtspopulisten meinte, die das Land gegenwärtig zwar nicht formal, aber über ihr Programm beherrschen, mit dem sie die anderen Parteien vor sich hertreiben.

Dass es eine Flüchtlingskrise in Europa nicht gebe, hatte Hans Rosling nämlich schon zuvor gesagt, unter anderem im vergangenen September bei einem Auftritt in "Globen", der größten Veranstaltungshalle Schwedens, bei dem er von 12 000 jubelnden Menschen wie ein Popstar empfangen wurde, aber auch in vielen Interviews, die auf diese Schau folgten: Syrien habe zwanzig Millionen Einwohner, rechnete Hans Rosling bei diesen Gelegenheiten vor. Von ihnen lebten nach wie vor die meisten in ihren Häusern.

Der größte Teil der Flüchtlinge sei darüber hinaus im eigenen Land unterwegs, vier Millionen von ihnen hielten sich in den Nachbarländern auf. Nur 300 000 Menschen hätten es bis nach Europa geschafft, 80 000 von ihnen nach Schweden. Zur Veranschaulichung der Proportionen ließ er das Publikum in den ersten drei Reihen vor der Bühne in der riesigen Halle aufstehen. Es gebe keine Flüchtlingskrise in Europa, sagte Hans Rosling daraufhin, die Katastrophe finde woanders statt.