RückschauDas Jahr 2015: Gar nicht so schlecht

Das Jahr 2015 wirkt auf viele sehr düster, als eine Zeit der Kriege, des Terrors und der Angst. Dabei vergisst man schnell, dass sich auch vieles zum Guten gewendet hat.

München heißt willkommen

Als die Polizei via Twitter die Bürger bittet, doch keine Hilfsgüter mehr zu bringen, weil genügend vorrätig sei an Wasser und Windeln und Süßigkeiten, da ist der Münchner Hauptbahnhof schon von einer simplen Zugstation zum Symbol geworden. Zum Ort des warmen Willkommens für Zehntausende Flüchtlinge, die allein Anfang September hier ankommen. Die viel Kälte erlebt haben auf der Route über den Balkan, und jetzt mit Applaus empfangen werden. "Welcome" steht auf einem Plakat. "Thank you Germany!", rufen die Ankommenden. Hunderte Freiwillige organisieren sich selbst, reichen den erschöpften Menschen Tee und Brot, die Behörden lernen das Improvisieren, und die Linken von der Antifa arbeiten Hand in Hand mit der Polizei. Die hat die Devise "Wasserflaschen statt Wasserwerfer" ausgeben. Ein junger Beamter setzt einem Flüchtlingsjungen seine grüne Polizistenmütze auf, beide strahlen sich an; das Foto dieser Szene geht um die Welt. Es geschieht Weltbewegendes, im Wortsinne, rund um den Hauptbahnhof. Die Stadt steigert sich in einen Rausch der Solidarität. Helfen macht glücklich. Bernd Kastner

Bild: Florian Peljak 1. Januar 2016, 16:042016-01-01 16:04:50 © SZ.de