Guttenberg in Afghanistan: "Kein Grund zur Empörung"

Doch Kritik kam nicht nur aus der Opposition, sondern - wenn auch verhaltener im Ton - vom Koalitionspartner. Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Elke Hoff, mahnte den Minister "zu größerer Zurückhaltung". "Gerade jetzt herrscht unter unseren Soldaten eine große Anspannung, denn zum einen steht der Kontigentwechsel an und zum anderen werden die Soldaten ständig in Gefechte verwickelt", sagte Hoff der Neuen Westfälischen.

Seit 2001 sind im Rahmen der ISAF-Mission der Vereinten Nationen deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Voraussichtlich 2012 soll laut Außenminister Westerwelle mit dem Truppenabzug begonnen werden. Derzeit sind 4570 Soldatinnen und Soldaten im Norden des Landes stationiert.

Der so gescholtene Minister verteidigte seine Reise. "Ich tue das, was ich für richtig halte, um den Soldaten hier im Einsatz die Anerkennung und die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie verdienen", sagte Guttenberg gegenüber Spiegel Online. Rückendeckung erhielt er dabei vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP). Er sehe "keinen Grund zur Empörung", sagte Königshaus dem SWR. Die Soldaten würden sich freuen, "dass der Minister nach Afghanistan kommt und deutlich macht, auch seine Familie steht dahinter". Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zeigte sich überzeugt, dass die Soldaten und ihre Familien den Besuch auch der Frau des Ministers als Geste der menschlichen Solidarität verstünden.

Auch Berlin Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier (CDU) stellte sich hinter Guttenberg. Er habe den Eindruck, dass der Besuch von den Soldaten am Hindukusch sehr gut aufgenommen worden sei, sagte Altmaier. Allein das sei entscheidend. Der Besuch der Guttenbergs sei nicht aus dem Rahmen anderer Besuche von Politikern herausgefallen.

Guttenberg bedankte sich über Spiegel Online auch bei Moderator Johannes B. Kerner für die Produktion der Talkshow. Dadurch werde "ein weiteres Stück Realität des Einsatzes der Bundeswehr" für die deutsche Bevölkerung sichtbar, sagte der Minister. Am Donnerstag soll die Sendung, die Guttenberg und Kerner am Hindukusch aufzeichneten, ausgestrahlt werden.