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Großbritanniens neue Regierungschefin:Warum Theresa May keine zweite Margaret Thatcher wird

Großbritanniens künftige Regierungschefin: Theresa May

(Foto: AFP)

Die künftige britische Premierministerin ist pragmatisch und borgt sich auch mal Ideen bei den Linken. Ihr Stil erinnert an den von Kanzlerin Merkel.

Knapp zwei Wochen lang hat Andrea Leadsom dem Druck standgehalten, der entsteht, wenn man sich um das Amt der britischen Premierministerin bewerben möchte. Dass sie sich am Montag als vorletzte Kandidatin zurückgezogen hat, bedeutet, dass nun Innenministerin Theresa May Nachfolgerin David Camerons wird. Mays herausragende Eigenschaft in dem kurzen Wahlkampf war, keine Fehler gemacht zu haben. Das konnte man von Leadsom nicht sagen.

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Zunächst hatte sie an ihrem Lebenslauf herumgedoktert, dann hatte sie eine "große Rede zur Wirtschaft" in knapp zehn Minuten gehalten und fast ausschließlich mit Plattitüden gefüllt, schließlich sprach sie in einem Interview mit der Londoner Times darüber, dass sie Kinder habe, ihre Gegenkandidatin May aber nicht. Zwar hatte sie in dem Gespräch ausdrücklich betont, die Mutterschaft nicht zum Thema machen zu wollen, doch die zum Medien-Imperium von Rupert Murdoch gehörende Times ließ sich diese Schlagzeile nicht entgehen. Über Leadsom entlud sich ein beeindruckendes Gewitter.

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Dass sich die linksliberale Presse in erster Linie über ihr oft aufgesetzt wirkendes Lächeln amüsierte, konnte sie verschmerzen. Dass die konservativen Blätter fast geschlossen May unterstützen, hat sie schon eher beunruhigt, und nach der Times-Geschichte dürfte ihr klar gewesen sein, welch ein Sturm ihr in den kommenden Wochen in der brutalen Presselandschaft auf der Insel bevorgestanden hätte. Den letzten Ausschlag dürfte die Heftigkeit der Attacken vieler ihrer Parteikollegen gegeben haben, die sie nach dem Times-Artikel nicht in Schutz nahmen, sondern offen ihren Rücktritt forderten. Manche nannten sie "schamlos".

Der Anlass mag geringfügig gewesen sein, doch die vergleichsweise unerfahrene Leadsom musste erleben, wie erbarmungslos die Maschine in Westminster funktioniert. Fünf Politiker waren für die Nachfolge Camerons angetreten. Durchgesetzt hat sich die einzig ernst zu nehmende Kandidatin, die für einen Verbleib in der EU geworben hat, obwohl es immer hieß, nur ein Brexit-Befürworter könne künftig an der Spitze der Regierung stehen. Das war einer der Gründe für Camerons Rücktritt. Drei Kandidaten haben sich selbst aus dem Rennen genommen, einer hatte ohnehin nie eine Chance. May wird nun vor allem deshalb Premierministerin, weil keine Gegner mehr übrig sind.

Die Auswahl der Kandidaten war alles andere als inspirierend, doch May hat gezeigt, dass sie noch am ehesten für den Posten geeignet ist, weil sie unter Druck die größtmögliche Ruhe bewahrt hat. Ihre Anhänger hoffen, dass Theresa May eine zweite Margaret Thatcher wird. Allerdings gilt sie vor allem als pragmatische Konservative, die sich bei Bedarf auch mal ein paar Ideen bei den Linken borgt. Die meisten europäischen Kollegen, mit denen May nun über den Brexit verhandeln muss, dürfte diese Beschreibung weniger an Thatcher erinnern als vielmehr an die Kanzlerin aus Deutschland.

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