Großbritannien:Strafrechtlich ohne Folgen

Litwinenkos Witwe Marina forderte am Donnerstag in London vor den Royal Courts of Justice wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Zudem solle es Einreiseverbote für die beteiligten Personen geben, also auch für Präsident Putin.

Es geht vor allem auf das Engagement der Witwe zurück, dass die richterliche Untersuchung vor einem Jahr überhaupt begann. Die britische Regierung hatte kein gesteigertes Interesse an den Nachforschungen, um die Beziehungen zu Russland nicht noch weiter zu verschlechtern. Marina Litwinenko setzte jedoch vor Gericht durch, dass der Fall noch einmal aufgerollt wird.

Strafrechtlich hat der Bericht keine Folgen. Dennoch stellt sich nun die Frage, wie die Londoner Regierung reagieren will. Litwinenko hatte die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Bleibt die Regierung untätig, muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dass der russische Staat einen britischen Bürger ungestraft auf den Straßen Londons mit äußerst gefährlichem Material umbringen kann.

Wie Litwinenkos Tod nachhallt

Aus dem Amtssitz von Premierminister Cameron in 10 Downing Street verlautet, dass man maßvoll vorgehen wolle. Man habe bereits unmittelbar nach dem Mord Maßnahmen ergriffen, die immer noch gültig seien: strengere Visa-Kontrollen, verminderte Kooperation mit dem FSB. In Anbetracht der aktuellen Bedrohungen zum Beispiel durch die Terrormiliz Islamischer Staat sei ein gutes Arbeitsverhältnis zu Russland jedoch wichtig. Man müsse zunächst an die nationale Sicherheit denken.

Marina Litwinenko sagte, sie sei sehr glücklich darüber, dass der Untersuchungsbericht so deutlich ausgefallen sei. Sie befürchte jedoch, dass die britische Regierung aus diplomatischen Gründen schlicht gar nichts tut.

Zwei Tage vor seinem Tod hatte Alexander Litwinenko einen Abschiedsbrief verfasst, in dem er Wladimir Putin direkt für seinen Tod verantwortlich macht. Er schrieb: "Sie werden es vielleicht schaffen, einen Mann zum Schweigen zu bringen. Aber der Protest aus aller Welt, Herr Putin, wird für den Rest des Lebens in Ihren Ohren nachhallen."

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