Griechenland So will Tsipras seine Macht konsolidieren

Alexis Tsipras während einer Parlamentssitzung in Athen

(Foto: REUTERS)

Alexis Tsipras hat Griechenland eine Achterbahnfahrt zugemutet - nun gibt er den Reformer. Um weiter populär zu bleiben, sollte er einen Fehler seines Vorgängers nicht wiederholen.

Kommentar von Stefan Kornelius

Die Wandlung von Alexis Tsipras vom linken Revolutionär zum Reformator der Mitte verlangt nach einem amtlichen Siegel. Der griechische Premier hat sein Land und sich selbst in den vergangenen sieben Monaten eine Achterbahnfahrt der Extraklasse zugemutet, so dass nun eine Zäsur, ein Moment des Innehaltens geboten ist.

Der Rücktritt und die Neuwahl ermöglichen diese Atempause. Die Wähler und auch die ausgelaugten EU-Partner reagieren fast dankbar auf diesen Zwischenstopp.

Aber Tsipras möchte nicht ausruhen, er möchte aufräumen. Und er möchte vor allem seine Macht konsolidieren. Würde man die besten politischen Strategen Europas zusammenholen - keiner hätte sich die Dramaturgie ausdenken können, die Tspiras seit seiner Wahl im Januar verfolgt hat. Der Premier nutzt dabei seinen außergewöhnlichen politischen Instinkt, und der gebietet es nun mal, dass jetzt die Zeit der Konsolidierung gekommen ist.

Botschaft für die Kreditgeber und Reformpaten

Tsipras verfügt über erstaunliche Teflon-Qualitäten. Seine Volten, seine ideologischen Scharmützel, seine Großspurigkeit der letzten Monate konnten ihn nicht beschädigen.

Im Gegenteil: Allein er verkörpert nun Stabilität und Reformkraft im politischen System Griechenlands. Dafür lässt er sich jetzt an der Urne eine Bescheinigung ausstellen.

Tsipras' taktisches Gespür und seine hohen Zustimmungswerte halten eine Botschaft für die Kreditgeber und Reformpaten Griechenlands bereit. In der Unterstützung für den Premier zeigt sich nämlich eine hohe Akzeptanz der griechischen Bevölkerung für die Reformen, die nun beschlossen wurden.

Die Mehrheit der Bevölkerung will das politische System reformieren. Sie applaudiert Tsipras, der den Abschied von der Klientelwirtschaft verspricht. Vorgänger-Premier Antonis Samaras war ähnlich beliebt - bis er vor etwa einem Jahr seine Aufräumpolitik abrupt beendete und sich wieder den alten Seilschaften zuwandte.

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Alternativlos - in diesem Augenblick

Tspiras steht nun vor einer ähnlichen Entscheidung. Bereits bei der Wahl eines möglichen Koalitionspartners und in der Auswahl des neuen Kabinetts wird sich zeigen, ob er die Gunst des Augenblicks zu nutzen vermag.

Noch nutzt ihm, was seine europäische Sparringspartnerin Angela Merkel als Hausrezept ausgegeben hat: Der Mann ist alternativlos. Wenigstens in diesem Augenblick.

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