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Griechenland:Merkel lädt Tsipras nach Berlin ein

Greek President Prokopis Pavlopoulos sworn-in in Athens

Erstmals seit seinem Amtsantritt soll Tsipras offiziell nach Deutschland kommen.

(Foto: dpa)
  • Kanzlerin Merkel will in der kommenden Woche den griechischen Regierungschef Tsipras in Berlin empfangen.
  • Das Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland ist angespannt. Deutschland beharrt auf dem bisherigen Sparkurs. Griechenland prangert an, dass Verhandlungen über eine Erleichterung der Schuldenlast sabotiert würden.
  • Griechenland hat indes einen Teil seiner fälligen Schulden an den Internationalen Währungsfonds gezahlt.

Tsipras kommt nach Deutschland

Acht Wochen nach seinem Amtsantritt kommt Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras nach Berlin. Die Kanzlerin will ihn am kommenden Montag treffen. Sie habe Tsipras bei einem Telefonat eingeladen, wie die Regierungen in Berlin und Athen mitteilten.

Steinmeier ermahnt Griechenland

Der griechische Regierungschef hatte sich zuvor in der Tageszeitung Ethnos zuversichtlich gezeigt, bis Ende der Woche eine Einigung mit den Europartnern zur kurzfristigen Finanzierung der Staatsschulden zu finden. Das Problem werde "auf politischer Ebene bis Ende der Woche, bis zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs oder, wenn nötig, während des Gipfels" am Donnerstag und Freitag gelöst werden, sagte Tsipras dem Blatt.

Zugleich warf er ungenannten "Kräften" vor, die "Konfrontation" zu suchen, um einen fortgesetzten Sparkurs zu erreichen. Daher würden sie die Umsetzung der Vereinbarung vom 20. Februar über die Verlängerung des Hilfsprogramms blockieren, sagte Tsipras wohl mit Blick auf die Bundesregierung. Er warf den "Kräften" vor, "Panik in Politik und Wirtschaft" zu verbreiten, um die Verhandlungen über eine Erleichterung der Schuldenlast zu "sabotieren". Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte Athen auf, sich auf die Arbeit mit der EU zu konzentrieren. Der Versuch, den Konflikt bilateral mit Deutschland auszutragen, werde nicht aus den Schwierigkeiten herausführen, sagte der SPD-Politiker.

Griechenland zahlt Teile der Schulden zurück

Trotz seiner angespannten Finanzlage zahlte Griechenland indes einen Teil seiner Schulden an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurück. Wie aus Regierungskreisen in Athen verlautete, überwies Athen eine Tranche in Höhe von 560 Millionen Euro an den IWF, einen seiner wichtigsten Gläubiger. Am Freitag muss Griechenland weitere 360 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen, dies wäre dann die letzte Tranche der in diesem Monat fälligen insgesamt 1,5 Milliarden Euro.

Im April und Mai muss Athen weitere 400 Millionen beziehungsweise 746 Millionen Euro an den IWF überweisen. Außerdem muss Athen diese Woche Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit, sogenannte T-Bills, im Wert von 1,6 Milliarden Euro bedienen. T-Bills waren zuletzt das einzige Mittel des Landes, um zahlungsfähig zu bleiben. Griechenland hofft auf weitere Finanzhilfen in Höhe von 7,2 Milliarden Euro aus dem im Februar verlängerten Rettungspaket von IWF und den Europartnern. Dafür muss Athen die Gläubiger-Troika aus Europäischer Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank jedoch zunächst überzeugen, dass es seine Spar- und Reformverpflichtungen einhält.

Skandal um Varoufakis

Die griechisch-deutschen Beziehungen leiden aktuell auch unter einem Skandal, den ein Fernsehauftritt von Finanzminister Yanis Varoufakis hervorrief. Varoufakis war am Sonntagabend aus Athen zu der Talkshow von Günther Jauch zugeschaltet gewesen. Ein Einspielfilm zeigte eine nach Angaben von Moderator Jauch im Jahr 2013 entstandene Aufnahme des seit Januar amtierenden griechischen Finanzministers bei einer Konferenz in Zagreb.

Darin sagte er, Griechenland solle Deutschland den Finger ausstrecken und sagen, "ihr könnt das Problem selbst lösen". Bei diesen Worten ist Varoufakis mit der obszönen Geste des ausgestreckten Mittelfingers zu sehen. In der Talkshow nannte Varoufakis die Szene mehrfach und nachdrücklich eine Fälschung. Die ARD-Redaktion hält den Film allerdings für echt.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/dayk
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