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Flüchtlinge in Griechenland:Bis nichts mehr geht

Hilfsorganisationen warnen schon lange vor der explosiven Stimmung in dem Flüchtlingslager im griechischen Moria, nun eskaliert die Situation. Das hat viel mit der griechischen Asylbehörde zu tun.

Noch ist nicht ganz klar, was genau passiert ist, warum es plötzlich brannte. Zuerst unter den Olivenbäumen am Rand des Lagers, wo Menschen unter Plastikplanen hausen. Dann in der Küche eines doppelstöckigen Wohncontainers im Flüchtlingscamp von Moria, wo es so eng ist und alles voller Menschen. Nun ist eine junge Frau aus Afghanistan tot. Die Frau ist verbrannt.

Als sich am Sonntagabend die Nachricht von dem Vorfall verbreitet, gibt es in dem Camp auf der griechischen Insel Lesbos einen Aufstand. Hunderte Migranten, meist Jugendliche, gehen auf Polizisten und Beamte los, die in Moria arbeiten. Griechische Medien zeigen das Bild eines junges Mannes, der sich ein T-Shirt über den Kopf gezogen und mit einer Eisenstange bewaffnet hat. Sie zeigen auch einen lichterloh brennenden Wohncontainer, viel Rauch und Menschen, die in Panik fliehen. Die Leitung des Lagers bekam das Geschehen erst einmal nicht in den Griff.

"Wir wurden angegriffen und konnten nicht sofort die Feuer im Lager löschen. Wir haben Angst um unser Leben gehabt", sagt der Sprecher der Gewerkschaft der Feuerwehr von Lesbos, Georgios Dinos, im Fernsehen. Migranten hätten zudem versucht, festgenommene Flüchtlinge aus einem Containergefängnis zu befreien, berichten Reporter, die in Moria sind. Die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Sie brachte in der Nacht mit einem Transportflugzeug zusätzliche Einheiten auf die Insel.

Apostolos Veizis, der Chef von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Griechenland, klingt bitter am Telefon: "Wir haben so etwas leider erwartet", sagt er. "Moria ist völlig überfüllt, mit 13 000 Menschen, an einem Ort, der für 3000 gedacht war." Er sagt, in Moria gebe es alles: Aggression und Verzweiflung, Depression, Selbstmorde. Veizis ist in Athen, er hat am Sonntag sofort zusätzliche Ärzte, Schwestern und Psychologen nach Lesbos geschickt. Sie hätten 21 Verletzte behandelt, fünf in Hospitäler gebracht. Seit 18 Jahren sei er bei MSF, sagt Veizis, er habe viele Krisenherde gesehen, "ich hätte nie gedacht, dass wir einmal in Europa arbeiten müssen". Was ihn besonders bewegt: "Diese Frau hat den Krieg in Afghanistan überlebt und nun ist sie in Griechenland gestorben."

Auch der Vizepolizeiminister flog noch am Sonntag auf die Insel, das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte erst den Tod von zwei Menschen gemeldet, auch den eines Babys. Am Montag wird dies von den griechischen Behörden zunächst nicht bestätigt. Die Situation in Moria wird als "angespannt, aber ruhig" beschrieben. "Brandstiftung schließe ich aus", sagt ein Sprecher des Bürgerschutzministeriums.