Gleichberechtigung "Es ist ein Knochenjob"

Erstes Nadelöhr auf dem Weg zum Chefposten im Rathaus ist der Studie zufolge das Nominierungsverhalten der Parteien selbst. Weil Frauen mit Familie ihre Zeit lieber daheim als in langatmigen Hinterzimmerveranstaltungen der örtlichen Parteigliederungen verbringen, sind sie zur richtigen Zeit oft nicht da. "Die Parteien haben Frauen nicht auf dem Schirm, höchstens wenn die Wahlchancen sowieso aussichtslos sind", sagt Helga Lukoschat. Die Untersuchungen der EAF haben ergeben, dass deutlich mehr Frauen in einer Konstellation nominiert werden, in der ein Wahlsieg als unwahrscheinlich gilt, weil die Partei schon lange in der Opposition ist - oder wenn der Amtsinhaber aus den eigenen Reihen als nicht mehr vorzeigbar gilt, zum Beispiel wegen eines Skandals.

Zweiter wichtiger Punkt ist die hohe zeitliche Belastung, die ein Top-Job im Rathaus mit sich bringt. Eine 60-Stunden-Woche ist nicht ungewöhnlich, Abende und Wochenenden sind selten frei. "Es ist ein Knochenjob, den Frauen mit kleinen Kindern schwer meistern können", sagt Helga Lukoschat. Und so ist der Nachwuchs der amtierenden Bürgermeisterinnen durchgehend älter. Anders ist das bei männlichen Bürgermeistern, so die Untersuchung. Sie haben jüngere und mehr Kinder als ihre Kolleginnen.

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Bürgermeisterinnen sind weniger geschieden als ihre männlichen Kollegen

Sie sind aber, und das ist ein überraschender Beifang der Studie, häufiger geschieden. Etwa ein Viertel von ihnen lebt getrennt, bei den Bürgermeisterinnen sind es nur sehr wenige. "Eine Erklärung könnte sein, dass die Partnerschaft den zeitlichen Belastungen des Amtes nicht mehr gewachsen war, und dass Frauen nicht mehr bereit sind, die klassische Rolle der unterstützenden Ehefrau zu übernehmen", sagt die EAF-Geschäftsführerin. Ihre weitere Mutmaßung: Die Ehen von Bürgermeisterinnen seien stabiler, weil die Frauen sich von vorneherein Partner suchten, die gleichberechtigt die Familie mit organisieren wollten.

Drittes Hindernis auf dem Weg zur Karriere im Rathaus ist oft das mangelnde Selbstbewusstsein der Frauen. "Werden sie gefragt, ob sie kandidieren möchten, trauen sie sich das oft nicht zu, hadern mit der zeitlichen Belastung, auch wegen der Familie. Männer haben diese Skrupel seltener", sagt Lukoschat.

Bei dem Berliner Kongress wollen die Frauen neue Strategien finden, Netzwerke bilden und auch andere Zeitmodelle diskutieren. "Wer sagt, dass nicht zwei Frauen sich einen Posten im Rathaus teilen können?", fragt die Veranstalterin. Eine Kampagne "Beruf Bürgermeister" sei nötig, um das Image zu verbessern sowie ein nachdrückliches Auftreten zu trainieren, auch innerhalb der Parteien. Den Anfang macht schon mal das kulturelle Rahmenprogramm. Am Schluss der Tagung tritt das Improvisationstheater "Die Gorillas" auf.