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Berlin:Giffey verliert ihren Doktortitel

"Als Berlinerin konzentriere ich mich jetzt mit all meiner Kraft auf meine Herzenssache: Ganz sicher Berlin": Franziska Giffey

(Foto: Michael Sohn/AP)

Nach einer langwierigen Prüfung erkennt die Freie Universität der SPD-Politikerin nun den Doktortitel ab. Als Spitzenkandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin will sie dennoch weitermachen.

Von Jan Heidtmann, Berlin

Nun ist es offiziell: Die Freie Universität Berlin (FU) hat der früheren Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den Doktortitel aberkannt. "Dies beschloss das Präsidium nach umfassender Beratung einstimmig", verkündete die FU an diesem Donnerstag per Mitteilung auf ihrer Webseite. Der Titel sei durch "Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung" erworben worden. Giffey habe Texte und Literaturnachweise von Autoren übernommen, ohne dass dies hinreichend vermerkt worden sei. Kurz: Teile der gut 200 Seiten umfassenden Dissertation seien ein Plagiat.

Giffey tritt im September zur Wahl als Spitzenkandidatin der SPD für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin an. "Diese Entscheidung akzeptiere ich", sagte sie in einer ersten Reaktion auf das Votum der FU. Sie stehe jedoch nach wie vor zu ihrer Aussage, "dass ich die im Jahr 2009 eingereichte Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst habe".

Der Doktortitel war ihr 2010 für die Arbeit "Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft" verliehen worden. Nachdem im Februar 2019 auf der Plattform Vronliplag Wiki erste Hinweise auf mögliche Plagiate auftauchten, zog sich die Überprüfung durch die Universität über zwei Jahre und drei Monate hin.

"Verfahren waren eine Herausforderung."

In einem ersten Verfahren hatte sich die Universität im Oktober 2019 noch darauf beschränkt, Giffey zu rügen. Nachdem diese Entscheidung von mehreren Experten infrage gestellt worden war, leitete das Präsidium im November 2020 eine neuerliche Prüfung der Arbeit ein, welche nun mit der Aberkennung des Titels endete.

Beobachter hatten das Vorgehen der FU vielfach kritisiert. Wie zäh dieser Prozess war, das dokumentiert jetzt auch die Erklärung der FU: "Die Verfahren waren für alle beteiligten Personen an der Hochschule eine Herausforderung", schreibt das Präsidium. "Unser Anspruch war es, Fairness gegenüber allen Beteiligten im Verfahren zu gewährleisten. Die Freie Universität Berlin hat auf die Wahrung der Persönlichkeitsrechte und schutzwürdigen Interessen von Franziska Giffey stets großen Wert gelegt."

Bereits im vergangenen November, als bekannt wurde, dass die FU ihre Arbeit erneut prüfen würde, hatte Giffey darauf verzichtet, den Doktortitel weiter zu tragen. Im Mai war sie schließlich als Bundesfamilienministerin zurückgetreten - kurz nachdem ihr das Gutachten der zweiten Prüfkommission zur Stellungnahme vorgelegt worden war. Ein Schritt, der ihr mehr Respekt als Kritik einbrachte, da sie ihr Amt als Ministerin von Beginn der Prüfungen an stets mit dem Doktortitel verknüpft hatte.

In ihrer Stellungnahme zu ihrem Rücktritt teilte sie im Mai jedoch mit: "Als Berlinerin konzentriere ich mich jetzt mit all meiner Kraft auf meine Herzenssache: Ganz sicher Berlin." Denn anders als bei ihrem Antritt als Ministerin habe sie bei ihrer Spitzenkandidatur in Berlin den Titel nicht mehr geführt.

© SZ/plin
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Nicht nur die Ankunft von Franziska Giffey im bundespolitischen Betrieb war speziell, sondern auch ihr Abgang. Als Ministerin tritt sie wegen der Plagiatsaffäre zurück, das heißt aber noch lange nicht, dass sie nicht weitermacht.

Von Jan Heidtmann, Roland Preuß und Henrike Roßbach

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