Gesundheitsversorgung:Trabert kritisiert Lauterbach-Konzept der Gesundheitskioske

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Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert sitzt in seinem Arztmobil. (Foto: Peter Zschunke/dpa/Archiv)

Angebote zur Gesundheitsversorgung für sozial benachteiligte Menschen braucht es wohnortnah, sagt der Mainzer Mediziner Trabert. Und doch übt er Kritik am Lauterbach-Konzept für Gesundheitskioske.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Mainz (dpa/lrs) - Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert sieht die konkrete Ausgestaltung der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorgesehenen Gesundheitskiosken sehr kritisch. „Die Grundidee einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung ist gut“, sagte Trabert der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Doch bei der Frage, was diese Kioske machen sollen, werde nur von Vermittlung und Beratung gesprochen und nicht von Behandlung. „Beratung hilft da nur bedingt“, sagte Trabert. Die Kioske dürften auch nicht losgelöst von anderen, schon existierenden Stellen sein, wie etwa Clearing-Stellen, die Menschen helfen sollen, zurück in eine Krankenversicherung zu kommen.

Lauterbach plant den Aufbau von bundesweit 1000 Gesundheitskiosken in sozial benachteiligten Regionen. Im vergangenen Jahr hatte er einen solchen Kiosk, der Menschen in den Hamburger Brennpunktstadtteilen Billstedt und Horn berät, besucht und diesen als „Prototypen“ bezeichnet. Die Kosten für die Kioske sollen die gesetzliche Krankenversicherung, die privaten Krankenkassen und Kommunen übernehmen.

„Keiner dieser Akteure ist wirklich kompetent, was die Gesundheitsversorgung von sozial benachteiligten Menschen angeht“, monierte Trabert. Es brauche eine Vernetzung mit Betroffenen-Initiativen und NGOs. Für Trabert kommt die Versorgung sozial benachteiligter Menschen im Bundesministerium zu kurz. Es sei ihm völlig unverständlich, warum in dem Ministerium nicht wieder eine Arbeitsgruppe Armut und Gesundheit, wie es sie zwischen 2000 und 2004 schon mal gegeben habe, entstehe - und das gerade unter dem „Pandemie-Minister Lauterbach“, wie Trabert sagte.

Studien hätten gezeigt, dass in der Corona-Pandemie arme Menschen häufiger infiziert gewesen seien und es unter ihnen auch eine höhere Sterbequote gegeben habe. „Armutsbekämpfung muss zu einem Querschnittsthema in allen Bundesministerien werden“, forderte Trabert, der als Parteiloser 2022 für die Linke für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert hatte und nun eines der prominenten Gesichter für die Europwahl 2024 werden soll.

© dpa-infocom, dpa:230722-99-492729/2

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