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Gedenken an Lech Kaczynski:Buhrufe für den neuen Präsidenten

Jaroslaw Kaczynski und seinen Anhängern aber reicht eine Gedenktafel nicht, sie verlangen ein Denkmal für die Opfer vor dem Präsidentenpalast. Dies hat Komorowski bislang mit dem Hinweis auf die noch laufende Untersuchung des Flugzeugunglücks abgelehnt. Nach Meinung Warschauer Kommentatoren weisen viele Indizien darauf hin, dass auf die Piloten der Regierungsmaschine Druck ausgeübt worden sei, trotz dichten Nebels in Smolensk zu landen. Die Frage ist nur, ob der Präsident oder der Luftwaffenkommandeur entsprechende Order erteilt hat. Die Auswertung der Aufzeichnung der Cockpitgespräche soll bis Ende September abgeschlossen sein.

Nach der Messe nahm Komorowski aus Anlass des Tages der Streitkräfte, der in Polen traditionell auf Mariä Himmelfahrt fällt, einen kurzen Vorbeimarsch von Ehrenformationen ab. Auf die unter Lech Kaczynski eingeführte große Militärparade mit Panzern und Kampffliegern verzichtete er. Als er anschließend vor den Präsidentenpalast fuhr, empfing ihn eine etwa hundert Personen starke Menschengruppe mit Buhrufen. Ein Teil scharte sich um ein zweites ebenfalls fast fünf Meter hohes Kreuz, das am Sonntagmittag ebenfalls in Sichtweite des Präsidentenpalastes aufgestellt worden war.

Vertreter des oppositionellen Demokratischen Linksbündnisses (SLD) begrüßten das harte Eingreifen der Polizei. Der SLD-Abgeordnete Tadeusz Iwinski sagte: "Das Symbol wird als Mittel im politischen Kampf genutzt. Dabei zeigt sich die Schwäche des Staates, des Präsidialamtes, der Stadt Warschau und der Kirche."

Die SLD hatte vor einer Woche eine Kundgebung organisiert, auf der die "Verteidigung der Verfassung", also die Entfernung des Kreuzes, gefordert wurde. An der Demonstration nahmen mehr als zehntausend Menschen teil. So viele konnte die frühere Regierungspartei lange nicht mehr mobilisiert.

© SZ vom 16.08.2010/afis

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