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Führungsdebatte:Augenhöhe ist Minimum

Worauf die Frauen in der Linken nämlich gerade überhaupt keine Lust haben, ist, nur irgend so eine Frau neben Bartsch oder Ernst zu sein. Augenhöhe ist Minimum. Dass es solche Frauen in der Linken kaum gibt, daran sind die beiden nicht schuld, aber es ist ihr größtes Hindernis auf dem Weg zur Parteispitze. Jeder von den beiden bräuchte mindestens eine Frau vom Schlage Hannelore Kraft an der Seite, damit der Eindruck entsteht, es könnte ein gleichberechtigtes Führungsgespann sein.

Die einzige Frau, die an Bartschs Seite für einen Knalleffekt sorgen könnte, wäre Sahra Wagenknecht. Einst Gallionsfigur der Kommunistischen Plattform wird sie heute dummerweise vor allem als Lafontaines Lebensgefährtin wahrgenommen. In der Beziehung liegt auch die Ursache dafür, dass sich Bartsch und Wagenknecht nicht leiden können. Sie und Lafontaine werfen Bartsch vor, hinter der Indiskretion gegenüber dem Spiegel zu stecken, die ihre Affäre schon früh öffentlich machte.

Bewiesen ist das nicht. Bartsch bleibt dabei, er werde fälschlicherweise der Illoyalität bezichtigt. Bartsch und Wagenknecht hätten also einen großen Brocken gegenseitigen Misstrauens aus dem Weg zu räumen, bevor sie sich als Alternative zu Kipping/Schwabedissen präsentieren könnten. Eher unwahrscheinlich, dass das gelingt. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass Ernst noch eine überzeugende Ko-Kandidatin findet.

Und so spricht, keine zwei Wochen vor dem entscheidenden Parteitag in Göttingen, alles dafür, dass sich dort die Frauen-Doppelspitze durchsetzt. Es wäre gut, wenn Kipping und Schwabedissen der Partei klarmachen würden, dass damit auch die Zeit der Mega-Erfolge vorbei sein dürfte. Beide Frauen haben weder die Lust noch die innere Kraft, bulldozergleich die politische Landschaft umzupflügen. Einen Lafontaine wird es so schnell nicht wieder geben. Für die Partei kann das Fluch und Segen zugleich sein.