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Frankreich:Die wichtigen Posten gingen an Männer

Ein wirklich frisches Gesicht ist hingegen Sylvie Goulard, die neue Verteidigungsministerin, die unter einem alten Titel regieren wird: Als "Ministre des armées" wurde sie am Mittwoch ausgerufen. Die 52-jährige Europaabgeordnete stieß früh zum Team Macron, wurde schnell wichtigste außenpolitische Beraterin. In Frankreichs politischer Klasse gibt es niemanden, der Deutschland besser kennt als diese Frau. Als hochbegabte Schülerin wurde sie von den Lehrern genötigt, Deutsch zu lernen - rückblickend deutet sie dies "als die Chance meines Lebens".

Über Deutschland eroberte sie sich Europa, seit 25 Jahren ist sie bestens vernetzt mit Berliner Politikern wie Diplomaten. Auch Goulard absolvierte Sciences Po und Ena, sie weiß um das Image ihrer Unis: "Ich bin es leid, mich dafür zu entschuldigen," weist sie den Elitenverdacht zurück. Goulard sieht ihre Ausbildung als Rüstzeug, um vieles anders, besser, europäischer zu machen.

Sie ist die einzige Frau, der Macron eines der klassischen Macht-Ministerien anvertraut hat. Die versprochene Parität von elf Frauen und elf Männern im Kabinett gelingt dem Präsidenten nur, weil er Frauen fand, die sich mit Ministerehren für Sport oder für Transport begnügten. Die wichtigen Posten gingen an Männer - und darunter ist nur einer, der nicht in die Schablonen Pariser Karrieren passt: Der Ökoaktivist und frühere Fernsehjournalist Nicolas Hulot, 62, wird Umweltminister. Er ist die spektakulärste Verpflichtung Macrons, der Mann mit der Ponyfrisur schneidet in Umfragen stets als eine der beliebtesten Persönlichkeiten Frankreichs ab.

Hulot gilt als so etwas wie das grüne Gewissen des Landes: Mit Reportagen über austrocknende Seen in Afrika und gerodete Tropenwälder am Amazonas eroberte er beste TV-Sendeplätze. Lange hatte Hulot gezaudert, sich von der Politik vereinnahmen zu lassen. Ex-Präsident François Hollande diente er zwar bis zur Pariser Klimakonferenz 2015 als "Sondergesandter". Einen Ministerposten unter Hollande schlug er jedoch aus. Nun soll Hulot als "Minister für den ökologischen und solidarischen Übergang" auch gestalten dürfen.

Er wird Macrons Kurs auf die Probe stellen: Hulot gilt als Querkopf, und er untersteht in Édouard Philippe einem Regierungschef, der früher Lobbyist für den Atomkonzern Areva war. Als Preis für seine Mitarbeit soll Hulot verlangt haben, den Bau eines umstrittenen Flughafens aufzugeben.

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