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Frankreich:Le Pen gegen Macron - Zorn gegen Zuversicht

  • Im Kampf um die Präsidentschaft in Frankreich winkt ein Duell zwischen der Chefin von Frankreichs Front National und dem sozialliberalen Emmanuel Macron.
  • Den ersten Wahlgang Ende April, so prophezeien die Umfragen, gewänne zwar noch Le Pen. Im zweiten Wahlgang jedoch würde Macron triumphieren.

Alexandre Ledoux sitzt ganz hinten, unterm Dach des riesigen Auditoriums. Fast schüchtern hat er Beifall gezollt, als Marine Le Pen, seine Heldin, den Saal betrat. Aber die Chefin von Frankreichs Front National (FN) macht ihm Mut. Ledoux, der höfliche Politik-Student aus Bordeaux, schlägt kräftig seine Hände zusammen, als die FN-Chefin gegen "die finanzielle und dschihadistische Globalisierung" wettert, "gegen die Herrschaft der Banken" und "den islamistischen Terror."

Und er ist aufgesprungen vor Begeisterung, als Le Pen verkündet, mit welchen Versprechen sie im Mai Frankreichs nächste Präsidentin werden will. Noch vor Ende dieses Jahres sollen die Franzosen per Referendum den Austritt aus Europa beschließen. Und schon im Sommer will sie, mit Volkes Stimme, die "Nationale Priorität" in der Verfassung festschreiben: Jobs, Kindergeld, Sozialwohnung - da sollen sich die Ausländer hinten anstellen.

Ledoux skandiert, was alle rufen: "On est chez nous", was so viel heißen soll wie: "Wir sind die Herren im Haus." Marine, sein Idol, winkt. Sie nennt die Präsidentschaftswahl einen Schicksalstag. Frankreich habe die Wahl, "zwischen Patrioten und Globalisierern".

Sozialliberaler Jungstar gegen rechtsextreme Populistin

Lyon erlebte am Wochenende exakt jenes politische Duell, das ganz Frankreich am 7. Mai, dem Tag der Stichwahl um die Präsidentschaft, winkt: Emmanuel Macron, der sozialliberale Jungstar, gegen Marine Le Pen, die rechtsextreme Populistin. Den ersten Wahlgang Ende April, so prophezeien die Umfragen, gewänne zwar noch Le Pen mit etwa 26 Prozent der Stimmen vor Macron (21 Prozent). Im zweiten Wahlgang jedoch würde Macron triumphieren: Zwei Drittel aller Franzosen würden den Ex-Wirtschaftsminister zum jüngsten Präsidenten der Fünften Republik wählen.

Es wäre vielleicht keine Revolution, aber doch ein Regime-Wechsel: Die Aspiranten der beiden etablierten Parteien, der konservative Republikaner François Fillon und der Links-Sozialist Benoît Hamon, würden im ersten Durchgang kläglich scheitern. Eben "dieses System" aufzubrechen - die Vorherrschaft der entrückten "classe politique" in Paris - diese Mission reklamierten beide Gladiatoren bei ihrem Zweikampf in Lyon.

Macron gegen Le Pen? "Das heißt junger Weltbürger gegen alte Nationalistin", strahlt Julien Levy, "das ist die klare Alternative bei dieser Wahl!" Der frohgelaunte Geschichtslehrer ist am Samstag schon gegen Mittag in Lyons altes Palais des Sports gekommen: "Drei Stunden zu früh - ich ahnte, dass es voll wird". 7000 Menschen drängen sich im Sportpalast, die Macron-Fans feiern, als erwarte sie ein Basketballspiel. Sie singen, schwenken Trikolore und Europafahnen. Plötzlich herrscht Ruhe, denn ihr Held ist auf der riesigen Leinwand über der Bühne erschienen. Levy strahlt: "Endlich kann ich mal für einen Kandidaten sein", sagt er, "sonst war es immer so, dass man wählte, weil man gegen den anderen war."

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