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Frankreich: Front National:Le Pens gefährlicher Stufenplan

Der Machtwechsel hat geklappt: Marine Le Pen beerbt ihren Vater an der Spitze des Front National. Auch wenn ihre Parolen töricht sind, müssen die Le Pens ernst genommen werden - in ganz Europa.

Stefan Ulrich, Paris

Jean-Marie Le Pen vergleicht seinen rechtsextremen Front National mit einer zweistufigen Rakete: Er habe die Partei zum Steigen gebracht, seine Tochter Marine werde sie nun ganz nach oben tragen. Als Ziel hat der Populist nicht den Mond ausgemacht, sondern den Élysée-Palast in Paris. Etliche Franzosen befürchten, die Tochter könnte dort irgendwann einschlagen. Marine Le Pen als Präsidentin - das wäre eine Katastrophe für Frankreich und Europa.

Front National annual congress in Tours

Auf den Vater folgt die Tochter an der Spitze des Front National: Marine Le Pen tritt die Nachfolge von Jean-Marie Le Pen an.

(Foto: dpa)

Die neue Parteichefin des Front National verficht, wie ihr Vater, einen geschichtsblinden Nationalismus, der die europäische Einigung bekämpft, alte Grenzen wieder hochziehen möchte und einen Kulturkampf gegen den Islam herbei schreit. Auch in anderen EU-Staaten erhalten solche Kräfte Zulauf. Die Wirtschaftskrise begünstigt Demagogen, die den Menschen vorgaukeln, die einzelnen europäischen Nationen könnten ihre Identität durch Abschottung retten.

Derzeit sind Politiker wie die Le Pens in Frankreich in der Minderheit. Präsident Nicolas Sarkozy hat glaubhaft ausgeschlossen, mit ihnen zu paktieren. Doch was geschieht, falls sich die Wirtschaftslage verschlechtert, Sarkozy die Wahlen im Jahr 2012 verliert und seine bürgerliche UMP-Partei zerfällt? Dann dürfte das Parteiensystem in Frankreich dem Front National mehr Raum verschaffen.

Die Le Pens müssen also ernst genommen werden. So töricht ihre Parolen auch sind, die demokratischen Politiker müssen ihnen begegnen, indem sie immer wieder erklären: Die meisten Muslime sind keine Islamisten. Und nur Europa als Ganzes ist in der Lage, die Identität der Franzosen, Deutschen, Polen, Iren, Portugiesen oder Griechen in der Welt von morgen zu bewahren.

© SZ vom 17.01.2011/mati

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