Forsa-Chef über Westerwelle:Parteichef und Außenminister zugleich

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sueddeutsche.de: Trifft die Kritik von FDP-Vize Andreas Pinkwart zu, dass mehr Persönlichkeiten die FDP-Politik nach außen vertreten müssten?

FDP Bundesminster Niebel Brüderle dpa

"Eher schwach" und "abgetaucht": Güllner über die fünf Bundesminister der FDP; Diese Aufnahme zeigt die liberalen Ressortchefs des Wirtschaftsministeriums, Rainer Brüderle (re.) und des Entwicklungsministeriums, Dirk Niebel

(Foto: Foto: dpa)

Güllner: Das Problem ist doch eher, dass die FDP in der Regierung fünf Persönlichkeiten hat, die sich als eher schwach entpuppt. Sie haben die Wähler enttäuscht. Was macht denn ein Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel für den sauerländischen Sensenfabrikanten? Nichts. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle scheint abgetaucht zu sein. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger tritt kaum in Erscheinung. Gesundheitsminister Philip Rösler scheint mit seinem Amt überfordert. Alle haben sie unterdurchschnittliche Zustimmungswerte. Das gilt auch für Außenminister Guido Westerwelle.

sueddeutsche.de: Es ist ja erstaunlich, dass ein Außenminister der Bundesrepublik Deutschland im eigenen Land geradezu unbeliebt ist.

Güllner: Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier haben es geschafft, sich innerhalb kürzester Zeit Achtung und Respekt als Außenminister zu erarbeiten, was von beiden so schnell nicht zu erwarten war.

sueddeutsche.de: Warum schafft Westerwelle das nicht?

Güllner: Die Leute haben schlicht den Eindruck, er macht seinen Job nicht gut. Das können wir messen. Das kann viele Gründe haben. Die einen glauben wohl, er schwimmt noch, hat seine Rolle noch nicht gefunden, ist noch unsicher. Den anderen grinst er vielleicht zu oft an den falschen Stellen. Den Eindruck befördert er dann noch mit seinen Einlassungen zu Sozialpolitik.

sueddeutsche.de: Ist er überfordert mit seinen beiden Ämtern als Parteichef und Außenminister?

Güllner: Das kann ich nicht sagen. Aber vielleicht sollte er den Leuten erstmal zeigen, dass er den Job als Außenminister gut macht, bevor er sich so vehement in die Innenpolitik einmischt.

sueddeutsche.de: Er hat das Gegenteil vor: im Ausland Diplomat, in Deutschland Mitglied im Verein für deutliche Aussprache. So hat er es am politischen Aschermittwoch verkündet. Kann die Strategie aufgehen?

Güllner: Man muss abwarten, wie sich die Umfragewerte in den kommenden Wochen entwickeln. Aber ich halte diese Strategie für zu kurzfristig angelegt und zu taktisch gedacht. Die FDP hat intelligente Wähler, die sich informieren, die Zeitung lesen, die Nachrichten verfolgen und nicht einfach aus dem hohlen Bauch heraus entscheiden. Die nehmen so ein rein taktisches Manöver, das ganz offensichtlich mit Blick auf die Wahl in NRW gefahren wird, als eher negativ wahr. Das wird der FDP nicht sehr viel nutzen.

sueddeutsche.de: Die FDP bei sieben Prozent. Ist da noch Luft nach unten?

Güllner: Die FDP hat ja eine eher kleine Stammwählerschicht von vier bis fünf Prozent. Viel weiter nach unten dürfte es also nicht mehr gehen. Dem gegenüber steht inzwischen ein hohes Wählerpotential von weit über 30 Prozent. Die FDP ist also eine durchaus akzeptable Partei geworden. Sie hat die Oppositionszeit prächtig überlebt, was so nicht vorherzusehen war. Sie war ja bis 1998 in der Bundesrepublik fast durchgehend Regierungspartei. Darum sind historisch gesehen sieben bis acht Prozent Zustimmung auch gar nicht so schlecht.

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