Flughafen Berlin-Brandenburg Teflon-Klaus, das war einmal

Er war Shootingstar und Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Legendär sein öffentliches Outing im Jahr 2001, mit dem er erst kurz vor seiner ersten Nominierung zum Spitzenkandidaten der Berliner SPD Zeitungsberichten über seine Homosexualität zuvor kam. Nach der Wahl begannen die Berliner, seine Kodderschnauze zu mögen. Berlin - arm aber sexy, solche Sprüche kommen von Wowereit. Doch entgegen seines langjährigen Rufs als Partykönig hat der 59-Jährige auch gezeigt, dass er anders kann. Hat hart saniert und gespart, dass es quietschte, und hat sich einen Finanzsenator Thilo Sarrazin geleistet, der Hartz-IV-Empfänger und Lehrer gleichermaßen als Schmarotzer beschimpfte.

An Wowereit blieb nichts hängen. Er führte die Beliebtheitsrankings an. Wo er auftauchte, jubelten ihm die Leute zu.

Inzwischen ist alles anders. Der BER lässt Wowereit und seine Beliebtheitswerte unkontrolliert trudeln. Der Umfrageliebling von einst findet sich heute hinter Landespolitikern wieder, die kaum einer kennt. Die Berliner SPD reißt er dabei mit sich in die Tiefe. Nach einer Forsa-Umfrage von Mitte Dezember kommen die Sozialdemokraten auf ernüchternde 24 Prozent. Deutlich weniger als der Koalitionspartner CDU. Die würde derzeit bei Wahlen bei 27 Prozent landen.

Seine Partei hat Wowereit immer weniger im Griff. Auf dem Landesparteitag im Herbst wählte die SPD den Parteilinken Jan Stöß zum neuen Landesvorsitzenden. Und nicht erneut Wowereits Mann Michael Müller. Eine empfindliche Niederlage für Wowereit, der die Partei immer gerne Müller überlassen hatte und so das Gespür für die Stimmung unter den Genossen verlor.

Freiwillig gehen? Niemals

Seit Juni kommen regelmäßig Rücktrittsforderungen. Jetzt wieder. Die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop hält einen Rücktritt für "unausweichlich". Noch für diese Woche will sie eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses beantragen, um dort einen Misstrauensantrag gegen den Regierenden Bürgermeister zu stellen. "Klaus Wowereit ist zu einer Belastung für die Stadt geworden, und er ist auch nicht mehr tragbar für die Stadt", sagte Pop. Der Berliner Piraten-Abgeordnete Martin Delius zieht den Schluss, dass Wowereit, "nicht in der Lage ist, diese Krise zu bewältigen".

Eng könnte es für Wowereit werden, falls er schon im Dezember von der erneuten Terminverschiebung wusste. In seiner Neujahrsansprache nämlich hat er eine solche Möglichkeit völlig unerwähnt gelassen. Stattdessen versprach er, "alle Kräfte" zu bündeln, "um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten". Ein Senatssprecher hat inzwischen allerdings erklärt, dass Wowereit "erst am Wochenende" von der Verschiebung erfahren habe.

Egal, wie sich die Debatte um den Flughafen entwickelt: Abschreiben sollte man Klaus Wowereit nie. Denn etwas hat er in den vergangenen Krisenmonaten bewiesen: Wer ihn loswerden will, der muss schon über Leichen gehen. Freiwillig wird Wowereit sein Amt wohl nicht aufgeben.