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Flughafen Berlin-Brandenburg:Wowereit im freien Fall

Klaus Wowereit Berliner Flughafen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit: Dumm gelaufen.

(Foto: dpa)

Was für ein Absturz! Klaus Wowereit war die unangefochtene Nummer eins in Berlin, in der SPD hätte ihm mancher sogar die Kanzlerkandidatur zugetraut. Doch nach der erneuten Verschiebung der Flughafen-Eröffnung warten alle darauf, ob und wann er zurücktritt. Vom Aufstieg und Fall eines Berliner Jungen.

Die Einladungskarten sehen aus wie Flugtickets. Am Eingang zum Hoffest des Berliner Senates im Roten Rathaus begrüßen Stewardessen die Gäste. Auf der Party soll die Eröffnung des Berliner Großflughafens Berlin-Schönefeld gefeiert werden. Eigentlich. Doch weil der Eröffnungstermin nur wenige Tage zuvor verschoben werden musste, steht Klaus Wowereit an diesem 4. Juni 2012 auf der Bühne des Hoffestes und sagt nur: "Dumm gelaufen".

Dumm gelaufen ist bei diesem Flughafen alles. Das Airport-Kürzel BER steht inzwischen für Schlamperei, Vertuschung, Bausünden, Verschleppung, Unfähigkeit. Und mittendrin steht der Regierende Bürgermeister von Berlin und zuckt die Schultern.

Nun also eine neue Folge in der Serie der Peinlichkeiten. Wieder ist der neue Eröffnungstermin offenbar nicht zu halten. Nach internen Dokumenten, von denen die Bild berichtet, sollen frühestens 2014 die ersten Flieger abheben können.

Es wäre die fünfte Terminverschiebung. Im Sommer hatten sich die Gesellschafter nach langem hin und her auf den Oktober dieses Jahres geeinigt, weil der Eröffnungstermin Anfang Juni plötzlich nicht zu halten war. Ursprünglich sollte der Flughafen schon seit Oktober 2011 in Betrieb sein.

Der ehemals Unangreifbare taumelt

Wie aus dem Nichts kam diese Information damals. Die ganze Stadt war auf die Eröffnung eingestellt. Das Flughafenmarketing hat alles gegeben, den Tag zu einem historischen werden zu lassen. Das Hoffest sollte der krönende Abschluss der Feierlichkeiten werden. Stattdessen wurde das Flughafen-Debakel zur historischen Pleite für Berlin, vor allem aber für Klaus Wowereit.

Bis zum Flughafen-Reinfall war Wowereit nahezu unangreifbar in Berlin. Erst 2011 gewann er mit der SPD zum dritten Mal die Wahl zum Regierenden Bürgermeister. Die Grünen wies er klar in die Schranken, obwohl die mit Renate Künast angetreten waren, ihn aus dem Roten Rathaus zu vertreiben. Jetzt regiert er mit der CDU in einer großen Koalition. Manche meinen, weil er die Grünen damit für ihre Überheblichkeit abstrafen wollte.

Wegen seiner Erfolge wurde er lange Zeit immer wieder als möglicher Kanzlerkandidat der SPD ins Spiel gebracht. Wahlen gewinnen, das kann er, so das Argument - anders als Peer Steinbrück, SPD-Chef Sigmar Gabriel oder SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, die noch nie einen wichtigen Wahlsieg auf der Habenseite verbuchen konnten.

Wowereit hat sie genossen, diese Frage, ob er auch Kanzler könnte. Können ja, aber wollen nicht. Er hat dankend abgelehnt.