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Migration:Deutschland braucht die Flüchtlinge

Eingliederung von Flüchtlingen in Arbeitsmarkt

Talente machen die Herkunft irrelevant: Ein Flüchtling aus Eritrea in einer Werkstatt in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Die lernen kein Deutsch, die sind zu faul? Vier Jahre nach Ankunft vieler Flüchtlinge belegen die Fakten das Gegenteil.

Seit 2015 viele Menschen nach Deutschland flüchteten, wird hierzulande gern geraunt. Um hier zu arbeiten, raunt mancher, hätten die Flüchtlinge zu wenig gelernt, vor allem zu wenig Deutsch. Oder: Die sind zu faul. Wer vier Jahre nach Angela Merkels Satz "Wir schaffen das" die Fakten sichtet, sieht etwas anderes: Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt klappt ganz gut. In einer idealen Welt würden diese Fakten das Geraune beenden.

Aktuell sind vier von zehn Flüchtlingen beschäftigt oder in Ausbildung. Das ist beachtlich. Ja, bei Deutschen beträgt der Anteil zwei Drittel, aber das wäre zu diesem Zeitpunkt kein fairer Vergleich. Integration dauert, in allen Epochen, in allen Ländern. So auch in Deutschland seit 2015. Die Flüchtlinge durften erst mal nicht arbeiten. Viele warteten lange auf die Asylentscheidung, ohne die eine Firma ungern jemanden einstellt. Sprach- und andere Kurse begannen teils zu spät.

Fair ist der Vergleich mit früheren Flüchtlingsströmen. Und der zeigt, dass die aktuellen Migranten schneller in der Berufswelt ankommen als etwa in den Neunzigerjahren Zuwanderer aus dem vormaligen Jugoslawien. Und das, obwohl Syrer, Iraker, Afghanen zwar meist in der Heimat beschäftigt waren, aber selten jene formalen Abschlüsse mitbringen, die bei den Deutschen so viel zählen.

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Der bisherige Joberfolg erklärt sich zum einen aus dem langen deutschen Boom. Die Flüchtlinge werden gebraucht. Seit 2014 entstanden zwei Millionen Stellen, weshalb kein Deutscher behaupten kann, man nehme ihm Arbeit weg. Zum anderen haben auch Flüchtlingshelfer, Firmen und, nach Anlaufzeit, die Behörden ihren Anteil an dem Erfolg.

Dieser Erfolg sollte das Selbstbewusstsein erlauben, den Raunern stärker entgegenzutreten. Je mehr die Parteien jenseits der AfD das tun, desto mehr entlarven sie die Stimmungsmache. Dann träte zutage, dass sich die Antistimmung aus anderen Ursachen speist als aus dem Verhalten der Flüchtlinge. In den vergangenen drei Dekaden ballten sich Wiedervereinigung, Globalisierung, EU-Erweiterung, Digitalisierung, Euro- und Finanzkrisen. Solche Epochen rasanter Veränderung verunsichern Menschen. Schon in früheren Umbruchzeiten, in der Renaissance oder vor den Weltkriegen, wurden sie dazu verführt, die Schuld bei Ausländern und Andersartigen zu suchen. Die Aufgabe der Politik wäre es, den Verunsicherten mehr Sicherheit zu vermitteln, was ihren Lohn betrifft, die Angst vor Kriminalität, das Dach über dem Kopf.

Das heißt nicht, dass sich die Politik auf den ersten Erfolgen bei der Jobintegration der Flüchtlinge ausruhen darf. Erst recht nicht in der aktuellen Konjunkturflaute. Es bleibt viel zu tun. Wer sich qualifizieren will, braucht mehr Hilfe, ebenso Migrantinnen mit Kindern. Und jede Tendenz, es sich im sozialen Netz einzurichten, muss gestoppt werden. Aber die Grundrichtung stimmt. Eine schrumpfende, alternde Bevölkerung bedarf der Zuwanderung. Ja, wegen der mitgebrachten Qualifikationen sind manche Asylbewerber für Personalchefs keine Idealbesetzung. Aber darum geht es nicht. Deutschland hat die Kriegsflüchtlinge aus humanitären Gründen aufgenommen - und kommt bei deren Integration in den Arbeitsmarkt gut voran.

"Wir schaffen das"? Gemeinsam haben die Deutschen und die Flüchtlinge jedenfalls schon einiges erreicht.

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Vier von zehn Flüchtlingen sind aktuell beschäftigt oder in Ausbildung. "Das ist beachtlich", kommentiert SZ-Autor Alexander Hagelüken. Doch die Politik dürfe sich nicht auf den ersten Erfolgen ausruhen.