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Festnahme in Moskau:Mutmaßlicher Hintermann im Politkowskaja-Mord war Polizist

Im Fall der ermordeten Putin-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja ermittelt die Moskauer Polizei in ihren eigenen Reihen: Ein Ex-Polizist soll den Tötungsauftrag angenommen und die Mordwaffe vorbereitet haben. Die Anwältin der Familie Politkowskajas spricht von einem "Wendepunkt". Es gibt auch neue Hinweise auf den Auftraggeber.

Knapp fünf Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist einer der mutmaßlichen Hintermänner festgenommen worden. Der Verdächtige Dmitrij P., ein ehemaliger Oberstleutnant der Moskauer Polizei, habe gegen Bezahlung von einem Unbekannten den Mordauftrag angenommen, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. Dann habe der Ex-Polizist dem mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow Geld, eine Pistole und einen Schalldämpfer besorgt. Machmudow war Ende Mai festgenommen worden.

Anna Politkowskaja

Die Journalistin Anna Politkowskaja - hier auf einem Plakat von Demonstranten in Berlin - wurde 2006 vor ihrer Wohnungstür erschossen.

(Foto: AP)

Die Anwältin von Politkowskajas Familie, Anna Stawizkaja, sprach von einem "Wendepunkt". "Wir werden sicherstellen, dass alle, die an diesem Mord beteiligt waren, zur Rechenschaft gezogen werden."

Eine Sprecherin der Nowaja Gaseta, für die Politkowskaja als Reporterin gearbeitet hatte, sagte der Nachrichtenagentur Interfax, im Jahr 2009 habe der Festgenommene während des Prozesses um den Mord an Politkowskaja als Zeuge ausgesagt. "Damals sagte er, dass er von dem Mord von den Angeklagten erfahren habe. Aber jetzt haben die Ermittler Grund zur Annahme, dass er ein Komplize war." Anwältin Stawizkaja sagte: "Wir hatten schon lange den Verdacht, dass er involviert sein könnte."

Außerdem gibt es neue Hinweise auf den Auftraggeber. Es sei aber noch zu früh, den Namen des möglichen Drahtziehers zu nennen, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, in Moskau.

"Zweifellos handelt es sich bei dem Auftraggeber um einen einflussreichen und mächtigen Menschen", sagte der Menschenrechtler Walerij Borschtschew von der Moskauer Helsinki Gruppe. Es sei fraglich, ob der echte Drahtzieher je genannt werde, meinte er nach Angaben der Agentur Interfax.

Machmudow soll die mit internationalen Preisen ausgezeichnete Politkowskaja am 7. Oktober 2006 kaltblütig vor ihrer Wohnungstür in Moskau erschossen haben. Zuvor soll er sie drei Tage lang ausspioniert haben.

Die Journalistin hatte wiederholt über Auftragsmorde, Folter und Entführungen in der Konfliktregion Nordkaukasus geschrieben. Im ersten Prozess waren zwei Brüder Machmudows sowie ein ehemaliger Polizist aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Der Oberste Gerichtshof Russlands hob das Urteil aber auf. Im Zuge der neuen Ermittlungen wurden die Machmudow-Brüder erneut angeklagt.

Der Fall der im Alter von 48 Jahren ermordeten Politkowskaja gilt als Symbol für die Verfolgung regierungskritischer Journalisten in Russland. Sie war die schärfste Kritikerin des damaligen Präsidenten und heutigen Regierungschefs Wladimir Putin.