bedeckt München 20°

Festgenommener Neonazi-Unterstützer:Gibt es ein zweites Video?

Bislang sind insgesamt nur Fetzen eines Gesamtbildes sichtbar. Fast schon seit Anfang der Ermittlungen gilt aber André E. als potentieller Unterstützer der Mörder. Im Wohnmobil in Eisenach, in dem sich die Terroristen Böhnhardt und Mundlos am 4. November erschossen, wurden Bahncards sichergestellt, die auf André und seine Frau Susann E. ausgestellt waren. "Susann E". war auch einer der vielen Alias-Name der in Köln inhaftierten Beate Zschäpe, die mit Böhnhardt und Mundlos 13 Jahre im Untergrund zusammen gelebt hat.

Zschäpe hat nach dem Selbstmord der Killer Kopien des Bekenner-Videos an linke Gruppen, an Zeitungen und ausländische Institutionen geschickt. Acht der Videos konnten inzwischen sichergestellt werden. In der Wohnung fanden sich noch weitere 21 Umschläge für Videos. Fand sie acht Videos genug?

Das Bekenner-Video, das nach den Feststellung der Ermittler bereits vor vier Jahren gefertigt wurde, ist ein Dokument des Wahn. Drei Fotos im Film dokumentieren die Eiseskälte der Täter. Auf diesen Fotos sind erschossene Zuwanderer zu sehen. Die Täter, das haben die Ermittler festgestellt, müssen die Leichen sofort nach der Tat fotografiert haben. Das lässt sich daran erkennen, dass zu dem Zeitpunkt, als diese Fotos gemacht wurden, die Einblutungen noch nicht so stark waren wie zu dem Zeitpunkt, als die Polizei die Aufnahmen an den Tatorten machte.

Wenn André E. den Film produziert hat, bleibt noch die Frage offen, wer der Drehbuchautor war. Die Handschrift kann den Täter überführen. Auch andere Fragen sind noch offen. "Wer hat sich diese DVD noch ansehen können?" fragt der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke. "Ist damit in der Szene, im internen Kreis, geprahlt worden, ist Propaganda gemacht worden?" Er schließe "das nicht aus".

Und: Gibt es ein zweites Video? In den Trümmern des abgebrannten Hauses wurde eine DVD mit der Aufschrift "Fortsetzung" gefunden. Sie ist stark beschädigt. Spezialisten konnten einige Dateien sicherstellen, doch ob es sich nur um eine weitere Kopie oder um ein weiteres Schreckenswerk handelt, ist noch nicht klar.

Das Video, das André E. hergestellt haben soll, wurde im Innenausschuss am Montag den Abgeordneten vorgespielt. "Was man da gesehen hat", erklärte Ziercke den erschrockenen Parlamantariern, reiche "vom Infantilen bis zum Schrecklichen". Was "diese konkreten Abläufe" angehe, müssten sich jetzt Spezialisten "in die Psyche der Täter einarbeiten". Vielleicht könne er dazu in zwei, drei Wochen mehr sagen.

© SZ vom 25.11.2011/liv
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema