Fall Khashoggi Saudi-Arabien bereitet offenbar Bericht zum Tod des Journalisten vor

Türkische Forensiker untersuchen Räume im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul.

(Foto: AFP)
  • US-Außenminister Pompeo reist auf Geheiß von Trump zu einem Treffen mit dem saudischen König Salman.
  • Dort will Pompeo Aufklärung darüber fordern, was mit dem Kolumnisten Jamal Khashoggi geschehen ist, der am 2. Oktober in der saudischen Botschaft in Istanbul verschwand.
  • Dem US-Nachrichtensender CNN zufolge bereiten die Saudis einen Bericht vor, in dem Khashoggis Tod eingeräumt werde.
  • Der Fall hat auch Auswirkungen auf Deutschland: Nach SZ-Informationen sind die Vorbereitungen für eine Riad-Reise von Außenminister Maas vorerst unterbrochen.
Von Paul-Anton Krüger und Daniel Brössler

Im Fall des verschwundenen saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi schickt US-Präsident Donald Trump Außenminister Mike Pompeo zu einem sofortigen Treffen mit König Salman, wie er per Twitter am Montag ankündigte. Pompeo könnte in Riad eine neue Situation antreffen: Der US-Nachrichtensender CNN meldete am Abend, die saudische Seite bereite einen Bericht vor, in dem Kashoggis Tod eingeräumt werde. Demnach sei er vor zwei Wochen in einem "schief gegangenen Verhör" im Istanbuler Generalkonsulat des Königreichs gestorben. CNN berief sich auf einen Insider, demzufolge der Bericht erklären werde, dass der Einsatz ohne Genehmigung war und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Am späten Montagabend berichtete der Sender Al Jazeera, türkische Ermittler hätten bei einer Durchsuchung des Konsulats in Istanbul Beweise gefunden, dass Kashoggi dort getötet worden sei. Trump hatte vor diesen beiden Berichten mitgeteilt, er habe mit König Salman telefoniert, der jedes Wissen darüber abstreite, was Khashoggi zugestoßen ist. Laut Trump könnten Killer für dessen Verschwinden verantwortlich sein, die auf eigene Faust gehandelt hätten - so interpretierte er Äußerungen des Königs. König Salman ordnete eine interne Untersuchung durch den Generalstaatsanwalt an.

Angeblich bereitet Riad einen Bericht vor, laut dem der Journalist beim Verhör starb

Die Türkei hatte Washington mitgeteilt, sie besitze Ton- und Videoaufnahmen, die belegten, dass der Kolumnist der Washington Post im Generalkonsulat Saudi-Arabiens in Istanbul verhört, gefoltert und getötet worden sei - laut türkischen Behörden von saudischen Agenten, die am Tag des Verschwindens von Riad nach Istanbul geflogen waren. Sie machten überdies "höchste Ränge des Königshofes" verantwortlich - eine Umschreibung für Kronprinz Mohammed bin Salman.

Sollten die türkischen und die saudischen Behörden mit den USA zur Schlussfolgerung gelangen, dass zwar saudische Staatsangehörige in Khashoggis Verschwinden verwickelt sind, aber ohne Wissen des Königshauses, könnte dies ein Versuch sein, den Schaden für die politischen Beziehungen zu Riad zu begrenzen.

Trump hatte zunächst versucht, sich herauszuhalten und lehnt es ab, Waffenlieferungen an Riad zu stoppen. Der Druck beider Parteien im Kongress war aber weiter gestiegen. Am Sonntag drohte Trump mit "schweren Konsequenzen", sollte sich erhärten, dass Khashoggi im Konsulat getötet wurde. Am Montagabend hatten türkische Polizisten und Staatsanwälte das saudische Konsulat in Istanbul inspiziert. Zuvor war eine saudi-arabische Delegation eingetroffen. In tagelangen Verhandlungen hatten sich die Türkei und die Saudis auf eine gemeinsame Durchsuchung des Gebäudes geeinigt. Der Kronprinz hatte dies angeboten. König Salman telefonierte am Sonntag mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, um die Krise zwischen den sunnitischen Führungsmächten zu entschärfen.

Am Wochenende noch hatte die amtliche Agentur SPA eine scharfe Erklärung verbreitet, in der sie "jede Drohung" zurückwies. Auf jede Aktion folge eine stärkere Aktion, verbunden mit dem Hinweis auf die "einflussreiche und lebenswichtige Rolle in der Weltwirtschaft", die Saudi-Arabien als größter Ölexporteur einnimmt.

Unterbrochen sind nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vorerst Vorbereitungen für eine Reise von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nach Riad. Der für Ende Oktober anvisierte Besuch sollte Teil einer diplomatischen Wiederannäherung sein, die Maas Ende September mit dem saudischen Außenminister Adel al-Jubeir bei der UN-Generalversammlung in New York vereinbart hatte. Maas hatte "Missverständnisse" in den Beziehungen bedauert und war damit Wünschen nach einer Entschuldigung entgegenkommen. Riad war empört gewesen darüber, dass der damalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel Saudi-Arabien 2017 "außenpolitisches Abenteurertum" vorgeworfen hatte. Die von Maas betriebene Verbesserung der Beziehungen ist durch den Fall Khashoggi erheblich gebremst. "Wir nehmen diesen Vorfall überaus ernst. Es bedarf glaubhafter Ermittlungen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und gegebenenfalls jene zu identifizieren, die für das Verschwinden von Jamal Khashoggi verantwortlich sind, sowie zu gewährleisten, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden", heißt es in einer Erklärung, die Maas mit den Außenministern Frankreichs und Großbritanniens veröffentlichte.

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